Welcher Tag gestern war? Der, Moment, da muß ich nachdenken, der 11.? Ja, richtig, der 11. September? Ob mir das Datum bekannt vorkommt? Klar, da war doch der Anschlag auf das World Trade Center in New York. Den Tag hat man doch im Kopf, das Datum vergißt man nicht so leicht. E war einer jener Tage, von dem man genau sagen kann, wo man war, als man davon erfahren hat. Ein gemeiner und brutaler Anschlag, der viele - unschuldige -Zivilisten das Leben gekostet hat. 
Da hat Amerika einmal spüren müssen, wie es ist, wenn man mit Gewalt gegen fremde Mächte vorgeht.

Nein, das darf man auf keinen Fall sagen oder auch nur denken. 

Wieviele Zivilisten das amerikanische Militär auch in vielen Ländern dieser Erde getötet haben mag: Das ist natürlich keine Rechtfertigung für Terroristen, es Amerika gleichzutun. Schließlich sollte man doch der Ansicht sein, daß niemand das Recht hat, andere Menschen durch Waffengewalt von seiner Meinung zu überzeugen. Auch, wenn das die Doktrin der Militärs, die sich nicht auf Landesverteidigung beschränken, nicht berücksichtigt.

Aus westlicher Sicht ist allerdings der Anschlag auf die Zwillingstürme in mehrfacher Art und Weise herausragend:

- Zum einen hat es der westlichen Allmacht den Nimbus von Allmacht genommen. Auch wir sind verletzlich. Wir können nicht all unsere Züge und Flugzeuge und Gebäude und Schulen und öffentlichen Plätze vor Anschlägen schützen.
- Mit den Mitteln des Strafrechtes und auch der Landesverteidigung ist das Land nicht in jedem Fall zu verteidigen. Allerdings scheitern darüber hinausgehende Mittel an den Grundsätzen des Rechtsstaates. Das Spannungsverhältnis eingriffsintensiver Maßnahmen mit der Freiheit der Bürger wird von politischen Hardlinern gerne überstrapaziert.
- Die Toten auf der "eigenen" Seite zählen, andere nimmt man höchstens zur Kenntnis (außer vielleicht kurz vor den Wahlen). Wenn in Afrika tausende Menschen durch Bürgerkriege sterben, ist das hierzulande kaum noch eine Meldung wert.
- Terror erzeugt Gegendruck, der gewollt ist, aber sich auch gegen die eigenen Anhänger richtet, indem er alle Angehörigen derjenigen Gruppe, aus der die Terroristen stammen, unter Generalverdacht stellt.
- Terror dient als Rechtfertigung für politische Entscheidungen, die man ohne die Anschläge niemals getroffen hätte. Viele strafrechtliche Instrumente neueren Datums wären ohne die Geschehnisse von gestern vor 8 Jahren nicht eingeführt worden. 
- Terror verhindert friedliche Lösungen und verbaut auch für lange Zeit die Aussicht auf politische Entspannung und Annäherung. Wer wollte terrorverdächtigen Gruppierungen auch Vertrauen entgegenbringen?

Und noch ein Punkt ist zu erwähnen: Bei all den Ereignissen der Geschichte, die mit zunehmender Dauer der Menschheit naturgemäß zunehmen, ist das Jahr zunehmend gepflastert mit Jubiläen. Manche, die lange her sind, geraten in Vergessenheit (das kann auch den Anschlägen vom 11. September so gehen). Hinzu kommen private und persönliche Daten, Hochzeitstag, Geburtstage, Sterbedaten geliebter Menschen. Auch die Lebensdaten herausragender Persönlichkeiten kommen hinzu. Nicht zu vergessen die Feiertage der verschiedenen Religionen. Dann Erscheinungsdaten von berühmten Büchern und Filmen, Erfindungen und Entdeckungen.
Wenn man alle beherzigen würde, wäre das Jahr ein einziger Gedenktag. 
Vielleicht sollte man mal den Jubliäen als solchen einen Gedenktag widmen.

Und es dabei belassen. 
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