Undank ist der Welten Lohn. So sieht das zumindest der gewöhnliche Egoist und tröstet sich über sein schlechtes Gewissen mit diesem abgenutzen Spruch hinweg: Die anderen sind ja auch nicht besser. Wobei es durchaus Bessere gibt, die sehr wohl wissen (und es manchmal sogar auch zeigen), was Dankbarkeit ist. Jemandem aus einer echten Notlage geholfen zu haben, kann dir einen Freund fürs Leben schenken.
Insoweit hat Dankbarkeit auch eine weniger altruistische Komponente.   

Allerdings fällt es schwer, für etwas dankbar zu sein, das nicht außergewöhnlich zu sein scheint.

Für ein singuläres Ereignis dankbar zu sein, darauf werden wir alle (manchmal buchstäblich) mit der Nase gestoßen. Aber für einen Zustand, für den man auch dankbar sein sollte, wird es schon schwerer, dafür dauernde Dankbarkeit zu empfinden. So ist die bloße Tatsache, daß man mit seinen eigenen zwei Beinen überall hingelangen kann, wenn man nur will, nicht unbedingt etwas, was einen ständig zum Niederknien bewegt.
Das sehen Rollstuhlfahrer aber vermutlich anders.

Auch ist gute Gesundheit nicht immer ein Grund, sich dankbar zu fühlen und vor allem auch kein Grund, sie nicht durch Rauchen, Trinken, reichhaltiges Essen, Streß und waghalsige Steckenpferde nach und nach zu ruinieren. Aber plagt einen erst einmal ein Zipperlein, fängt so mancher (insbesondere, wenn es sich um einen Mann handelt) an zu jammern. Und zwar vernehmbar. Von der Dankbarkeit, vor Auftreten dieser immensen Schmerzen gänzlich befreit in einem gesunden Körper gelebt zu haben, während um einen herum alle möglichen gewöhnlichen und exotischen Diagnosen gestellt werden, ist meist wenig zu spüren.
Der Mensch vergißt sehr schnell.

Und gewöhnt sich allzu schnell an ein kleines Paradies. Und kann das nicht mehr so recht würdigen.

Daß es ein Paradies war, merkt er grundsätzlich erst dann, wenn er aus dem Paradiese vertrieben wird. Gerade die wichtigen Dinge im Leben macht man sich wenig bewußt, wenn sie alle vorhanden sind: Gesundheit, Freunde, Erfüllung in Beruf und Partnerschaft, einen Platz, wo man sich wohlfühlt und sich heimisch und willkommen fühlt.
Und sich nicht nur vollgefressen am Tisch zurückzulehnen und allzu hemdsärmlich und armselig
zu seufzen: Ach, geht's mir gut.

Sondern sich sein Glück bewußt zu machen und es still zu genießen.

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