Es ist stark im Kommen, wenn nicht schon da, die Liebe zum angeblichen dunkelsten Zeitalter, das neueren Forschungen zufolge so dunkel gar nicht war. Kaum ein Motto-Stadtteilfest, das sich nicht irgendwann auch dieser Periode zwischen Neuzeit und Altertum (denn daher stammt der Name) widmet und bei dem alle, die etwas davon und von sich halten, im Wams herumlaufen und man Schalmeien und Narrenglöckchen hört. Zur musikalischen Untermalung von Bands, die ansonsten meist Schwermetall im Repertoire haben.
Ja, es ist gut, einen Begriff für etwas zu haben, was lange vorbei ist und sich ansonsten offenbar nicht derart ausgezeichnet hat, einen griffigeren Namen zu erhalten. 

Wie etwa Renaissance, Gotik oder Barock.

Und wie steht es mit den Phasen menschlichen Daseins? Da ist man entweder jung (aus Sicht der Betroffenen auch dann noch, wenn man es schon nicht mehr ist, aber "jung geblieben" oder wenigstens "jung im Herzen") oder aber alt. Alt ist man aus Sicht der Jungen schon sehr bald, sogar dann, wenn diejenigen, die älter sind als man selbst, noch in der Mehrheit sind. Für jemanden, der noch nicht alt, aber auch nicht mehr jung ist, gibt es dagegen keinen Begriff. Aus Sicht der Heranwachsenden ist man dann jedenfalls alt, aus eigener Sicht ist man aber nicht mehr jung (Jung zu sein ist gar nicht so erstrebenswert, wie diejenigen, die außer ihrer Jugend noch nichts haben, glauben). 
Dabei ist das gerade das Alter, in dem die Betroffenen sich am wohlsten fühlen. 

Sie sind in ihrer Lebenssituation meist gefestigt, haben feste Partnerschaften und Arbeitsstellen, zumindest Ausbildungen und auch schon feste Partnerschaften hinter sich. Sie haben nicht mehr das Gefühl, allen Vergnügungen nachjagen zu müssen. Sie haben auch die Flausen nicht mehr im Kopf, ganz Herausragendes leisten zu müssen, was so mancherlei Druck aus dem Alltag nimmt. Man wird gelassener, hat aber noch nicht nur mit den eigenen Krankheiten zu tun. Man muß weder seine Eltern um alles mögliche bitten, weil man unabhängig ist. Man ist aber auch noch nicht der Sklave dessen, was der schwächelnde Körper gerade noch zuläßt. Sie sind frei in ihrem Tun und Lassen und gönnen sich auch einen Freitagabend zu Hause, wenn ihnen danach ist (das wäre als Twen noch undenkbar gewesen).
Aber sie können sich auch mal etwas gönnen und so manchen Wunsch einfach selbst erfüllen.

Dennoch hat man dafür keinen Namen.

Es gibt Kinder und Jugendliche und Halbstarke oder auch Heranwachsende, dann noch Teenager (ab hier wird es ohnehin meist englisch). Es gibt Twens und Thirty-Somethings. Dann klafft eine Lücke, bevor man Opa oder Oma wird, Senior, Pensionär oder Rentner. 
Aber dazwischen, wie heißen eigentlich die Vierzig- und Fünfzigjährigen?

Dieses Alter euphemistisch als "Lebensmitte" zu bezeichnen, geht an der statistischen Lebenserwartung vorbei, nachdem diese genau genommen irgendwo in den Dreißigern liegt (Daher auch die Midlife-Crisis, mit der diese Periode meist endet und mit dem Alter abschließt).

Wie heißt eigentlich das Mittelalter beim Menschen? Eine nicht dunkle Periode, in der das Leben einfach und klar ist und in der man am zufriedensten ist, was Untersuchungen belegen. Wenn man als Mann noch keinen Sportwagen kauft und sich junge Damen ausguckt. Und sich als Frau die Haare rot färbt und sich in Kleidung zwängt die schon an IT-Girls nicht gut aussieht.
Mittelalter? Mitteljugend?

Vielleicht ist das das Zeichen dafür, daß man zufrieden ist: Man macht nicht groß auf sich aufmerksam und verschwindet daher in der Begrifflichkeit.
Man lebt einfach und hat es nicht nötig, bezeichnet zu werden. 
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