... zu denken, ist nach wie vor ein wenig verpönt. Die nationale "Gesinnung" deutet auf eine eher extrem rechts angesiedelte Position hin. Wer allzu klar sein Deutschsein als hervorstechenste Eigenschaft feiert, der macht deutlich, daß er ansonsten offenbar keine vorzuweisen hat.
Eine Ausnahme gibt es allerdings hiervon: Bei der Nationalmannschaft.

Hier darf man deutsch denken und sein. Hier darf man sogar für Deutschland schreien und dabei deutsche Flagge zeigen.

Die Rede ist natürlich insbesondere von König Fußball (Ja, auch monarchisch geprägtes Gedankengut ist dort möglich). In der Mannschaft, die anscheinend Deutschland repräsentiert, ohne demokratisch gewählt zu werden (aber von Millionen von Bundestrainern unterstützt wird), darf man sich zu seinem Deutschland bekennen. Deutschland geht dabei wieder über alles, und zwar über Mars und Memel hinaus.
Das war schon immer so.

Und so schnell wird sich daran auch nichts ändern.

Allerdings hat auch in dieser letzten (oder ersten?) Domäne nationaler Begeisterung der Zahn der modernen Zeit Einzug gehalten. War man früher eher ausschließlich aus Bevölkerungsschichten rekrutiert, die der Angloamerikaner "White Trash" nennt (das glauben Sie nicht? Dann hören Sie sich einmal Interviews von Nationalspielern vergangener Zeiten an), so haben nun mehr auch Menschen mit deutlich afrikanischen Vorfahren Einzug gehalten in die Elitemannschaft. Und auch Menschen mit eher für Deutschland früherer Zeiten untypischen Namen kicken nun mit dem Adler auf der breiten Brust. Warum auch nicht, denn schließlich ist auch die multiple Kultur aus anderen Gegenden der Welt längst in der Mitte Deutschlands angekommen. Hörte man früher nur aus New York von Gegenden, in denen ausschließlich Einwanderer lebten, so gibt es mittlerweile überall Enklaven mit nicht Deutsch-Stämmigen. Sie sind im übrigen in Politik und Wirtschaft und beim Bäcker, Metzger oder in der Kneipe nebenan. 
Daher bilden sie sich auch als Mikrokosmos in der Fußball-Nationalmannschaft ab.

Im Fußball spiegelt sich die Entwicklung unseres Landes wider.

Wer sich daran stört, daß nunmehr in die Mikrophone der Sportreporter Botschaften in eher holprigem Deutsch gestottert werden, dem sei gesagt: Auch früher waren Aussagen deutscher Kicker nicht immer eine rhetorische Offenbarung. Hören Sie sich einmal historische Aufnahmen an von, naja, ich nennen besser keine Namen. Denn die Auswahl erfolgt nicht nach den Leistungen gegenüber der Presse, sondern allein auf denen auf dem Rasen. Und wer sich in Deutschland mit einem fremdländischen Namen und einer anderen Muttersprache als der deutschen behaupten kann, der scheint auch im Kampf gegen ausländische Mächte gewappnet, die ebenfalls irgendwelche Pokale erspielen wollen. Wer sich auf deutschen Boden mit deutschen Behörden und Vorschriften zurechtfindet, der ist hart genug, auch international für Deutschland die Fußballregeln einzuhalten (oder auch einmal in internationaler Härte ein wenig zu brechen).

Insoweit kann man aus der Nationalmannschaft ablesen: Deutschland ist als Global Player auf Weltniveau. Und muß den Vergleich auch mit den Herkunftsländern seiner Idole nicht scheuen.
Man ist auf der großen Bühne angekommen. 
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