Ein Bekannter bekundete mir gegenüber einmal helles Erstaunen darüber, daß jemand sein Haus farbig gestalten wollte. Einfarbig, versteht sich. Dezent, nicht knallig. Aber nach Ansicht des Kollegen sollten Häuser immer nur weiß angemalt werden. Und Autos silbern. Wobei Silber an und für sich die Farbe ist, die das Besteck meiner Großmutter hatte. Die silberfarbenen Kraftfahrprotze sind im Grunde grau. Grau wie Beton, auch, wenn sie metallisch glänzen. Also liebt dieser farbvergessene Zeitgenosse eine weiße und graue Welt.
Der Durchschnittsbürger liebt es gediegen, um bloß nicht zu sehr aufzufallen.

Das bleibt den Damen vorbehalten, denen man heimlich nachschaut. Man mag es den Herren nachsehen, wenn sie sich allein in grau und allerhöchstens in gedecktem Blau und Braun kleiden.
Von wegen: Die Welt ist bunt.

Und wenn sie das ist, dann verdankt sie das nicht den Farbverweigerern. Ob diese auch nur schwarz-weiß fernsehen?

Man spricht doch freudig vom "Farbenspiel". Aber wenn es dann darauf ankommt, dann hält man bunte Farben offenbar für nicht dem Ernst der Lage angemessen. Auch nicht in der Freizeit. Ein Trauerspiel. Von grellbunten Hawaiihemden einmal abgesehen, die man als ernstzunehmender Bürger aber als proletenhaft und billig ansieht. Frauen in roten Kleidern sind nahe am horizontalen Gewerbe und bunte Häuser sind eher ein Zeichen von Anarchie denn von Lebenslust. Der Alltag ist doch grau, und das soll sich auch in den Autos im doppelten Sinn des Wortes widerspiegeln. 

Hätte Gott die Welt gerne bunt gehabt, er hätte wohl die Farbe erfunden. 

Bei weißen Häusern könnte man noch ins Feld führen, daß sie im Hochsommer noch am kühlsten bleiben. Wobei in unseren Breiten keine mediterranen Temperaturen herrschen. Und dunkle Häuser im Gegenteil in den langen Kälteperioden weniger Energie verschwenden würden. Aber der Klimawandel soll ja kommen; anscheinend denken diese Farbpessimisten schon an die Zukunft. Sehr lobenswert.
Dennoch würde eine bunte Welt eher erfreuen als eine grau-weiße.

Es ist nicht alles Gold, was silbrig glänzt.

Immerhin nimmt man den Raum, den Häuser und Autos einnehmen, der  Natur weg. Und diese ist selten weiß und nur bei Schlechtwetterfronten (die man doch nicht allzu sehr schätzt) grau. Also sollte man das vernichtete Grün doch wieder durch Farbe ersetzen. 
Die von dem Bekannten bemitleideten Hausbesitzer wollten ihr Heim auch konsequenterweise grün streichen.

Grüne Technologie leicht gemacht. 
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