Ob redlicher Journalismus, ob fiktionaler Reißer in Buchform: Die Überschrift oder auch der Buchtitel ist oftmals bewußt so gewählt, werbewirksam Appetit auf den Inhalt zu machen. Da werden wilde Wortspiele verwendet, in denen auch sexuelle Anspielungen oder zumindest der Hinweis auf Mord und Totschlag vorkommen, um den Leser bei der gedruckten Stange zu halten. Wo anderswo vornehme Zurückhaltung geübt wird, auf neudenglisch auch "Understatement" genannt, da ist bei Druckwerken offenbar kein Platz mehr. 
Es kann gar nicht aufmerksamkeitsheischend genug sind.

Um nur ja nicht übersehen zu werden.

In großen Lettern werden in den Zeitungen Bruchstücke öffentlicher Aufmerksamkeit verlautbart, etwa der Hinweis auf Prominente, deren Vornamen allein für die Aufmerksamkeit der Zielgruppen ausreicht. Oder es wird im Titel versprochen, daß dieses Werk Tötungen und sexuelle Freizügigkeit enthält, jedenfalls werden hier die Grenzen gesprengt. Nicht jeder Titel ist so zurückhaltend wie etwa "Feuchtgebiete", wobei der Inhalt aber immerhin durch die Feuilletons und die Popularität der Verfasserin ans Licht der sensationslüsternen Öffentlichkeit drang. Aber wer nicht auf große Namen zählen kann, der muß jedenfalls mit großen Worten große Versprechungen machen. Nicht immer so eindeutig an die Instinkte appellierend wie die BILD-Zeitung, aber doch immer knapp am guten Geschmack wohlerzogener Berichterstattung vorbei. Und auch Autoren suchen ihre Titel immer weniger selbst aus.
Man will ja schließlich etwas verkaufen.

Oder man geht zugrunde.

Und inmitten greller PR-Maßnahmen allenthalben noch mit objektiver Faktenvermittlung zu punkten, fällt wohl zunehmend schwer. Waren früher noch Einnahmen aus Werbung und Anzeigen gutes Polster für das Überleben von Zeitungen, haben Internet und letztlich die elektronischen Medien diese Einkunftsquelle mehr und mehr zum Versiegen gebracht.
Also muß man über die Quote und die Auflagenzahlen retten, was kaum noch zu retten ist.

Oft fragt man sich: Sind die noch zu retten?

Objektiver Journalismus und künstlerischer Anspruch sind zwar schöne Maximen. Aber man muß sie sich auch leisten können. Sie sich allen verbalen Leuchtreklamen zum Trotz noch zu leisten, ist heutzutage die wahre Leistung.
Aber mangels Interesse der superlativverwöhnten Leser immer weniger nachgefragt. 




















Kleingeschrieben ist am Ende meist nur die
Unterschrift. 
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