Es ist schwer, Leuten etwas zu schenken, die man kaum kennt. Da läuft es meist auf eine Flasche Wein (wenn's denn sei muß lieblich, neuerdings "fruchtig" genannt) oder ein Buch (wenn es sein muß, lieblich, aber niemals fruchtig, außer vielleicht bei Kochbüchern) hinaus. Noch schwerer ist es allerdings für Leute, die man gut kennt. 
Und vor allem seit langem.

Denn dann hat man schon viele Gelegenheiten hinter sich und alle Ideen verbraucht.

Alle Hobbies sind schon abgehakt, alle möglichen Einrichtungsnebengegenstände schon mitgebracht (die Wohnung ist knallvoll) und auch alle Ratgeber für alle Länder dieser Welt sind schon in viel unnötigem Geschenkpapier in das Eigentum des lieben Freundes gewandert. Was also tun? Neuerscheinungen an CDs treffen nicht jeden Geschmack (und sind auch nicht immer wahre Neuerscheinungen, so manches wiederholt sich) und neue Bücher, die nicht von Dieter Bohlen stammen oder von Körperflüssigkeiten handeln, sind meist Übersetzungen amerikanischer Bestseller, die nicht unbedingt wirkliche Literatur darstellen. Man tut sich also am besten mit ein paar anderen zusammen (und unterwirft sich einer fremden Idee) und erwirbt etwas Größeres, was der Jubliliar sich nicht selbst kaufen würde.
Und was er jedenfalls niemals zurückweisen würde. 

Die Königsdisziplin aber ist das Beschenken des eigenen Partners.

Denn man sollte nichts kaufen, was man zusammen benutzen kann (und sich der Gefahr aussetzen, den Liebsten glauben zu machen, man habe letztlich sich selbst beschenkt). Aber was schenkt man jemandem, der schon alles hat (und man nicht weiß, wohin mit etwas, was man eventuell noch nicht haben sollte)? Da ist Phantasie gefragt. Und man sollte das ganze Jahr (also nicht nur am Tag vor dem Geburtstag) auf Präsente lauern. Und auf Bemerkungen des Lieblings, was man denn ganz gerne haben würde. So etwas am besten aufschreiben.
Kommt einem noch eine bessere Idee, kann man sie zumindest als Notanker benutzen, wenn einem beim übernächsten Mal nichts einfallen will.

Man kann ja nie wissen. 

Bis jetzt ging's gut und ich habe immer noch rechtzeitig einen Gedankenblitz gehabt. 
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