Wie schon so mancher feststellen mußte: Bei schönem Wetter, etwa noch im Urlaub am Strand mit einem Cocktail in der Hand und Meerwasser um die Knöchel ist es leicht bei guter Stimmung sein. Und auch mit einer Reisebegleitung welcher Art auch immer läuft alles buchstäblich unter eitel Sonnenschein. Die Tragfestigkeit einer Beziehung zeigt sich erst bei Regenwetter. Wenn man in einem ungemütlichen Hotelzimmer, das man eigentlich nur zum Schlafen nutzen wollte, zwei endlose Wochen aufeinander (oder auch mal nebeneinander) sitzt und die Stimmung noch unter Wolkenniveau dahintröpfelt.
Dann erst zeigt sich, was man an dem anderen hat.

Oder eben nicht.

Denn es ist leider ein Zug unserer schnelllebigen Zeit, alles nur am Vergnügungsfaktor zu messen, aber bei der kleinsten Schwierigkeit gleich die Segel zu streichen. Dabei ist geteiltes Leid halbes Leid. 
Wo das nicht der Fall ist, ist geteilte Freude auch nur halbe Freude.

Sicher hat nicht jeder das Glück, einen Seelenpartner zu finden, der einen durch dick (ja, auch damit muß man gegebenenfalls rechnen) und dünn begleitet und mit einem Bett und Tisch (nicht notwendigerweise in der Reihenfolge) und auch Regenwetter im Urlaub teilt. Immer wieder trifft man - und neuerdings vermehrt - in den Ferien auf Alleinreisende, die sich selbst als eingefleischte (früher gab es das nur als Junggeselle) Singles sehen (und wohl niemals zur Langspielplatte aufsteigen werden). Und die dann abends allein am Tisch essen und nicht in jeden Fall das Bett gleich jedem Flirt zur Verfügung stellen. Die nicht auch die kleinen Reiseerlebnisse mit jemandem teilen können, die nicht jederzeit einen Ansprechpartner haben. 
Und auch keinen Rückhalt, so dann doch mal etwas Unvorhergesehenes passieren sollte.

Wie traurig kann das sein, alleine alt werden zu müssen.

Dabei scheinen diese Einsamen nicht unbedingt übrig geblieben zu sein. Da finden sich durchaus selbstbewußte, freundliche, fröhliche und auch ansehnliche Menschen, die aber dennoch alleine wandern, alleine baden und auch alleine in Ausstellungen oder Konzerte gehen. Mag auch eine Strohwitwe dabei sein, deren Partner ihre Vorliebe für Wellnesshotels oder französische Expressionisten nicht teilt, mag auch der eine oder andere Ehemann dabei sein, deren Partnerin nichts für ausgedehnte Bergwanderungen oder Segelpartien übrig hat.
So sollte man sich doch wenigstens in der schönsten Jahreszeit auf einen gemeinsamen Nenner einigen können.

Aber das Gros der Alleinreisenden haben auch zu Hause keine bessere (oder andere) Hälfte.

Aber um das Gemeinsame geht es dann wohl nicht mehr, dann ist man schon lieber einsam. Oder scheint es zu sein. Oder verdrängt die Einsamkeit mit Aktivitäten und ein wenig Rotwein. Spricht ab und zu einmal mit anderen Hotelgästen oder Einheimischen, gestaltet seinen Tag so, wie es einem paßt oder man in einen solchen Tag hinein paßt. Muß keinem Rechenschaft ablegen, kann aber auch keinem alles erzählen.
Und erntet mitleidige Blicke alter Ehepaare, die wie festgewachsen aneinander hängen.

Und die nicht verstehen, wie es so weit kommen konnte. Oder doch?  
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