Der Tod  oder der Umzug in eine wärmere Gegend

 

 

Eines Tages klopfte der Tod an meine Tür. Ich konnte es nicht fassen. All die vielen Stunden, die ich mit Essen oder Schlafen oder auf dem Klo verbracht hatte, sollte das alles umsonst gewesen sein? Ich hätte weiß Gott besseres zu tun gehabt, aber nein, ich wollte ja leben. Also hatte ich gegessen und geschlafen, was das Zeug hielt, nur, um mich am Leben zu erhalten. Und nun dies.

Da geigte ich dem alten Gevatter aber mal tüchtig die Meinung.

 

Nützte aber nichts.

 

Wenn sich die hohen Herren was in den Kopf gesetzt haben, dann sind sie Argumenten gegenüber unzugänglich. Mann, war ich sauer. Auf dem Weg ins Jenseits sprach ich jedenfalls kein Wort mit dem Vermummten.

Die Stimmung war mehr als angespannt.

 

Petrus aber war ganz freundlich. Er winkte mich zu sich heran, während er in einem dicken Wälzer meine Misse- und meine Wohltaten nachschlug. Leider stieß er bald auf den Abschnitt meines Lebens, in dem ich mit einem Nebenbuhler abgerechnet hatte und ihn mal eben zu seinen Ahnen befördert hatte. Er sah mich an und eröffnete mir, daß mir wohl das Fegefeuer und die ewige Verdammnis ins Haus stünde. Das fand ich nun reichlich ungerecht. Wegen eines einzigen Fehltritts  des Paradieses beraubt zu werden? Und was war mit all den anderen Gelegenheiten, wo ich irgendwelche Scheusale am Leben ließ, obwohl ich weiß Gott jeden Grund gehabt hätte, ihrem armseligen Dasein ein Ende zu setzen? Aber auch hier stieß ich wieder auf taube Ohren. Das besserte meine Laune nicht gerade.

Erst tot und dann auch noch ab in die Hölle.

 

Das hatte ich mir dann doch anders vorgestellt.

 

Satan erwies sich aber als ganz umgänglich. Da hatte ich es schon mit schlimmeren Typen zu tun gehabt. Immerhin war es warm. Und allein war man auch nicht. Leider schwammen in meinem Kessel noch jede Menge Bischöfe und Rechtsanwälte. Statt anständig über die Hitze zu stöhnen, lobten sie Gott oder die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes. Dabei war es gerade Gott gewesen, der sie hierher gebracht hatte.

Und daran konnten auch die Gerichte nichts ändern.

 

Ich versuchte, so gut es eben ging zu entspannen, war aber durch das permanente Lamentieren sehr in meiner Konzentration gestört, was sich zuweilen in heftigen Zwistigkeiten entlud. Leider konnte man den nervigen Idioten nicht drohen, denn tot waren sie schon und schlechter konnte es ihnen kaum gehen. Sie waren aber auch total verweichlicht. Nichts gewohnt in ihrem Wolkenkuckucksheim.

Aber die Nase weit oben.

 

Dabei kochten sie auch nur in Wasser.

 

So vergingen die Tage, ohne, daß viel passierte. Nur mein Rheuma wurde langsam besser.

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