Kaum ein Gerät ist so sehr Symbol für den westlichen Hang zur Bequemlichkeit wie dieses handliche, kleine Teil, das mittlerweile fast jedem elektronischen Nippes beiliegt. So nah kann keine Stereoanlage stehen, daß man sie nicht über Infrarot steuern möchte. Vorbei die Zeiten, als man noch aufstehen mußte um etwa einen Fernsehsender zu wählen oder gar die Lautstärke zu ändern. Das hat insbesondere zu einem Phänomen geführt, das es ohne Fernbedienung nicht gäbe: Die Unsitte des Zappens, die - seien wir ehrlich - vor allem von Männern ausgeübt wird. 
Nervös, wie es der Zeit entspricht, werden Kanäle des Wechselns wegen gewechselt.

Und so kann man mehrere Sendungen fast gleichzeitig nicht sehen.

Und noch einen Zug der Zeit hat die Fernbedienung hervorgebracht: Erhöhten Stromverbrauch, weil man seinen Maschinenpark nicht mehr ausschaltet, sondern auf Bereitschaft stellt; denn man könnte das moderne Wunderwerk der entfernten Schaltbarkeit ja gleich wieder anschalten. Der Autopilot des kleinen Mannes. Nicht zu vergessen, daß man die Kalorien so nicht gleich wieder loswird, die man sich so nebenbei angefuttert hat.
Aber auch noch etwas geht auf das Konto der Fernbedienung.

Der modernistische Herrschaftsanspruch.

Denn wer die Fernbedienung in der Hand hält, entscheidet über den Fortgang des Abends. Er allein hat gewissermaßen das Heft in der Hand. Es ist das moderne Zepter, das da griffbereit auf dem Wohnzimmertisch liegt. Davon gibt es in vielen Wohnungen mittlerweile auch mehrere, denn auch DVD-Player, Dolby-Surround-Anlage und vor allem Beamer wollen bedient werden. Nicht umsonst bieten immer mehr Hersteller auch Universalfernbedienungen an, die das Leben erleichtern sollen. Die aber natürlich das Flair der eigenen Bedeutung minimieren würden, Herr über haufenweise Remote Controlls zu sein. 
Wer würde schon mehrere besondere Zepter gegen ein allgemeines eintauschen.

Es ist ja gerade der Reiz an der Sache, sich als Meister über viele kleine Helfer zu fühlen.

Man hat damit die Macht inne. Und die gilt es zu verteidigen, insbesondere gegen die Frauen (auch die Industrie ist weiblich). Muß man die zunehmende Emanzipation schon hinnehmen, die Befugnis, aus dem Sessel meterweit entfernte Unterhaltungselektronik bequem zu steuern, sollte man sich nicht nehmen lassen. Die handschmeichelnden Funksteuerungen sollte man nicht aus der Hand geben. Anfänglich versuchten Frauen noch, die Fernbedienungen am Fernseher mittels einer Schnur festzukleben; angeblich, damit sie nicht verloren gehen. Aber dieser technikfeindlichen Haltung muß der wahre Mann an seiner letzten Bastion der Männlichkeit mit beherzten Drücken bunter Tasten begegnen.
Solange das noch nicht als chauvinistisch gilt.

Und wenn: Fernbeziehungen werden eines Tages vielleicht auch die Regel werden. Ob es auch dafür eine Fernbedienung geben wird?
Und wer wird sie bedienen?
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