Wer ist nicht schon alles von Bedeutung mit Nationalsozialisten verglichen worden. Oftmals von Unmenschen, die ansonsten wohl keine Argumente hatten. Denn jemanden in eine Reihe mit dem unmenschlichen Despoten Adolf Hitler zu stellen, verbietet sich schon aufgrund der Einzigartigkeit der Gewaltherrschaft des üblen Demagogen, der, was Menschenverachtung, Unmoral und Fanatismus anbelangt, alles bisher Dagewesene mühelos in den langen Schatten stellt, den er auf die deutsche Geschichte wirft. Dennoch bemühen immer wieder rhetorisch weniger versierte Geschichtsklitterer den Vergleich eines Zeitgenossen mit solchen des III. Reichs, um mit der größtmöglichen verbalen Keule einem Widersacher den Gnadenstoß zu versetzen.
Was denjenigen selbst moralisch ins Abseits stellt.

Dennoch ist das Wesen des Vergleichs im Grunde kein ganzheitlicher. Das heißt, es werden nicht alle Charakterzüge und Verhaltensmuster in Beziehung zu jemandem oder etwas gestellt, sondern nur ein besonderer Aspekt. Ansonsten würde man ja völlig Gleiches mit Gleichem vergleichen; und das wäre kein Vergleich, sondern ein Hinweis auf Identität von Personen (oder Sachen). Vergleiche zielen aber darauf ab, einzelne Faktoren zueinander in Beziehung zu setzen. Kein Mensch käme auf die Idee, wenn etwa ein junger Fußballspieler wegen seiner Kopfballstärke mit dem Fußballidol Uwe Seeler verglichen würde, den Nachwuchsspieler insgesamt gewissermaßen als Abziehbild des Hamburger Kultspielers zu sehen. Und das auch in Bezug auf sein Leben, seine Vorlieben, seinen Charakter.
Bei Adolf Hitler ist das anders.

Dort werden nicht nur Einzelaspekte herangezogen, sondern wegen der Abscheulichkeit der Person steht immer die Person in ihrer Gesamtheit im Feuer.

Denn gerade deswegen wird der fanatische Unmensch für Vergleiche herangezogen. Um Demagogie, Täuschung und politische Lüge anzuprangern, könnte man aber mühelos weniger neuralgische Beispiele heranziehen. Die Geschichte ist voll von schlechten solchen, die auch allgemein bekannt sind. Wenn man aber Nazis als Vergleiche heranzieht, verläßt das die redlichen Pfade in dem Versuch, bestimmte Unsitten anhand bekannter Exempel aufzuzeigen. Man wählt bewußt eine Reizfigur, um Öl ins Feuer zu gießen, nicht, um lediglich sachlich einen Mißstand aufzugreifen.
Der Vergleich mit Nazis soll provozieren und Aufsehen erregen, nicht Grundlage sachlicher Argumentation sein.

Vergleiche hinken immer, denn sie wollen nur Einzelheiten miteinander in Beziehung setzen. Aber Vergleiche mit Nazis hinken deshalb schon, weil sie stets auch bewußt eingesetzt werden, um Stimmung zu machen gegen jemanden. Denn wenn jemand einem Adolf Hitler gliche, wäre derjenige schon von vorneherein untragbar und kann sich auch nicht durch sachliche Argumente aus dieser Abseitsstellung befreien.
Und das ist auch Zweck dieser vergleichenden Übung.

Und deswegen spricht diese Art des Vergleiches in aller Regel auch nicht gegen denjenigen, gegen den er eingesetzt wird.
Sondern gegen denjenigen, der ihn benutzt. 
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