Panik zu schüren, scheint der Gesundheitsbehörden liebstes Kind zu sein. Oder ist etwas dran an der Gefährlichkeit der Schweinegrippe? Jeder, der Husten und Halsweh hat und der sich früher einfach mal ein paar Tage Ruhe gönnte, um wieder auf die Beine zu kommen, ist nun beunruhigt, ob er todgeweiht sein könnte. Und Unruhe ist der Rekonvaleszenz nicht zuträglich. Psychosomatisch ist Zuversicht ein empfehlenswertes Heilmittel. Verzögert sich aber die Heilung, nährt das den Zweifel, man könnte diese neue weltweite Seuche haben und daran sterben.

Und jeder, der trockenen Husten, Kopfweh, Gliederschmerzen, Übelkeit und Durchfall hat, hat den neu entdeckten Erreger. 

Die Zahlen scheinen auch Anlaß zur Besorgnis zu geben: Täglich erkranken mehrere Hundert Menschen in Deutschland an Schweinegrippe. Allerdings angesichts 12.000 Grippetoter im Jahr kaum der Rede wert. Nicht zu vergessen 100.000 Fällen von multipler Skelerose. Dennoch stehen neue Krankheiten immer im Zenit der Öffentlichkeit. Hat sich die Krankheit aber erst einmal etabliert, besteht wohl kein Grund zur Vorsicht mehr. Vielleicht will man also seitens der Behörden den Menschen immer wieder etwas neues bieten. Kinderlähmung? Uninteressant. Hepatitis? Das ist doch ein alter Hut. Tetanus? Damit lockt man keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.
Aber die Schweinegrippe ist immer eine Schlagzeile wert.

Es darf an die Hysterie bei BSE erinnert werden. Alle Augen waren damals auf Rindfleisch gerichtet. Inzwischen ißt alle Welt wieder Rind, obwohl BSE nicht ausgerottet worden ist. Oder die Panik, die vor Acrylamid geschürt wurde. Dennoch essen die Menschen weiter Chips und auch das Grillen ist nach wie vor nicht aus der Mode gekommen. Aber das öffentliche Interesse hat längst neue Keime entdeckt. Wer erinnert sich noch dunkel an die Vogelgrippe, die spurlos an uns allen vorbeigegangen ist? Inzwischen ist es also die Schweinegrippe, von manchen etwas langweilig als "H1(-3)N1(-2)" bezeichnet, die durch das Dorf gejagt wird. Wer weiß, was als nächstes ins Haus steht. Denn wenn die Menschheit diesmal überlebt, wovon auszugehen ist, dann wird die Wissenschaft schon neue Viren entdecken, vor denen die Menschen zu beschützen sind.
Ob es der richtige Weg ist, Ängste zu schüren, ist fraglich.

Aber dann kann keiner sagen, er sei nicht gewarnt worden. Hurra, wir leben noch. Aber wir waren wenigstens beängstigt. 
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