Austauschbarkeit ist der Fluch des 22. Jahrhunderts. Die Werbung legt nahe, daß man seinen eigenen Weg finden soll (indem man das Produkt eines bestimmten Herstellers kauft, was nicht wirklich individuell erscheint), das Interesse des Einzelnen steht weit im Vordergrund. So weit, daß man bisweilen den Hintergrund nicht mehr erkennen kann. 
Und vor lauter Individualität kaum noch einer eine Regel erkennen kann oder anerkennen darf. 

Hauptsache, ich bin anders in meiner Ähnlichkeit.

Wobei fehlende Zugehörigkeit zu einer Gruppe wichtiger ist als Zugehörigkeit zu einer anderen. Man definiert sich über die Unterscheidbarkeit und Abgrenzbarkeit zu anderen, weshalb man wiederum auch bestimmten Gruppen zuordenbar ist. Denn in den vielen Jahren, in denen die Mode immer wieder versucht hat, winzige Veränderungen als neuen Stil zu verkaufen, sind die wahnwitzige Art an verschiedenen Stilen zueinander immer weniger unterscheidbar geworden. Und es ist auch schwer, etwas zu kreieren, was noch nie da gewesen ist. Deshalb kommen Moden und Stile auch in Wellen immer wieder, pulsieren durch eine Saison, um schnell zu verschwinden und irgendwann wieder aufzutauchen. 
Irgendeiner Strömung ist jeder zugehörig.

Derart einzigartig ist keiner, daß er eine Gruppe für sich selbst bildet.

Denn Stilfragen sind eine Frage der Wahrnehmung von Faktoren. Bestimmte Faktoren können dann verglichen werden. Viele nehmen allerdings für sich in Anspruch, die allein Fähigen für die Feststellung von Faktoren zu sein, die wichtig sind, um etwas zu beschreiben. In der Sicht dieser Menschen ist es unerklärlich, warum alle anderen sich in dieser Frage so irren können, wo die Sachlage doch offensichtlich und klar vor Augen liegt. Selbst solche, die sich nicht für Mode interessieren, sind Teil einer Gruppe, notfalls der der Modemuffel. Aus deren Sicht wiederum sind Modeinteressierte alle einer großen Gruppe an oberflächlichen Idioten zugehörig, die sich allein um ihr Äußeres kümmern, um sich lächerlich zu machen.
Mode ist Uniformierung für Inhaltsarme, die nicht wissen, wofür es sich wirklich zu kämpfen lohnt im Leben.

Aber sage das mal einem x-beliebigen Modenarr. Er wird dich sogleich modisch taxieren und sicher irgendein Haar in der Suppe finden.
Als wenn es darauf ankäme.

Warte nur, bis das, was ich trage, wieder in Mode ist.  
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