Gesprochene oder geschriebene Worte sollten eigentlich etwas mit dem Denken zu tun haben, sollten den Gedanken Ausdruck verleihen. Vielfach wird das geleugnet, man sagt ja nichts, man red' ja bloß (Eine Redewendung, die auch die gegenteilige Aussage hat: Man red' ja nichts, man sagt ja bloß). Als wenn das in die Welt hinausposaunte nichts mit dem zu tun hat, was man denkt. Da mag man das despektierliche Gerede über die Damenwelt in einer angeduselten Männerrunde nicht für bare Münze nehmen.
Aber in vino veritas, und auch für Bier und andere berauschende Getränke gilt nichts anderes.

Wer immer über "Weiber" lästert, sollte sich nicht wundern, wenn ihn die Damenwelt schnöde verschmäht (wobei solche Damen, die solche Herren nicht verschmähen, selten wirkliche Damen sind).

Macht man sich wirklich keine Gedanken, wenn man so etwas äußert und kann es dennoch sein, daß man Frauen für gleichberechtigt und vollwertig hält, obwohl man sie vor den eigenen Geschlechtsgenossen so herabwürdigt? Schaltet man den Verstand aus? Aber warum sagt man es dann? Und warum vermutet man, die anderen wollen solche Schmähungen hören? Hat man mehr als eine Sicht in sich? Oder verrät diese Sicht, daß die andere, gegenüber dem weiblichen Geschlecht vorgeschobene Sicht nicht so rein und wahrhaftig ist, wie sie sein sollte?

Wie man redet, so denkt man auch.

Sicher ist Lästern ein Grundübel unseres Zusammenseins und Klatschen weit verbreitet. Aber wie im Tratsch meist auch ein Kern an Wahrheit ruht (meist mehr, als der Verleumdete wahrhaben möchte), so verrät die stammtischübliche Diktion auch ein wenig über die wahre Einstellung. Witzig könnte es sonst nach der 1000. Wiederholung kaum sein. Dennoch führt das Schimpfen über weibliche Attribute immer wieder zu einem Lacherfolg.

Allzu niveauvoll wirkt es nicht, wenn alle möglichen Klischees ausgepackt werden, um die persönliche Frustration über das eigene Liebesleben zu kaschieren. Und auf die Dauer langweilen auch die ewig gleichen Witze über die Unfähigkeit der Damen am Steuer eines Autos (ich kenne zahlreiche Gegenbeispiele), über den Schuhtick (da gibt es durchaus auch Männer, die sich für Tausendfüßler halten) und die angebliche, mathematische Unbegabung (ich kenne mehrere Professorinnen der Mathematik und so einige männliche Totalversager schon bei einfachen Additionen). 

Vielleicht ist es auch normal im Geschlechterkampf, übereinander herzuziehen und aus der Unfähigkeit eines einzelnen auf die Gesamtheit des Geschlechts zu schließen. Aber warum überhaupt dieser Kampf? Glaubt man wirklich, auf diese Weise eine harmonische Beziehung zu finden? Über den Kampf zur Harmonie? Oder sucht man gar keine harmonische Beziehung, sondern will nur gewinnen? Wobei: Ist es nicht ein Pyrrhussieg, wenn der Sieger allein bleibt?
Oder zumindest deprimiert?

Und ist man durch Lästern gegenüber anderen Frustrierten tatsächlich ein Sieger?
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