Es gilt als Sinnbild der Höflichkeit, sich einander die Extremitäten zu reichen und diese kurz angemessen zu drücken. Wobei schon der Grad des Druckes von unterschiedlicher Qualität ist. Vom so genannten "Fisch in der Hand" (ein Auftreten, das, was nicht allzu selbstbewußt wirkt) bis zum machohaften Zerquetscher (von Unsensibilität bis Angabe ist unter diesen Kraftmeiern alles vertreten) ist alles drin. 
Und auch der Grad an Feuchtigkeit ist unterschiedlich.

Man will oft gar nicht so genau wissen, um was für Flüssigkeiten es sich hierbei genau handelt.

Dieser angebliche Höflichkeitsbeweis hat seinen Ursprung in der Ritterzeit, als man sich zur Versöhnung den Kampfhandschuh auszog und somit das Ende einer Auseinandersetzung einläutete. Die Ritterzeit ist längst vorbei, die Unsitte des Händschüttelns ist geblieben. Die Möglichkeit, Krankheitskeime von Mensch zu Mensch zu übertragen, ist aber auch zu verlockend. Zumindest von Zeitgenossen, die Händewaschen für übertriebene Hygienemaßnahmen halten, ist die Weitergabe von körpereigenen Stoffen und allerlei Fremdstoffen natürlich Pflicht. Ob man vorher auf der Toilette war oder räudige Straßenköter liebkost hat, ein Händedruck unter Brüdern glättet das Eis.
Mikroben sieht man nicht und auch Dreck nicht immer.

Denn die Zurückweisung ist eine Todsünde. Man streckt anderen einfach seine Flosse entgegen und der muß sie dann ergreifen. Es ist schwer, dies zurückzuweisen. Denn Zurückweisung nimmt man übel, wenn man schon so freundlich war, sich zu einem Händeschütteln durchzuringen. Der schwarze Peter ist dann bei dem, der den ungewaschenen Körperteil nur allzu ungern in die Hand nähme, aber nicht weiß, wie er aus dieser Situation herauskommt, ohne als arroganter Schnösel oder unhöflicher Klotz zu erscheinen.
Die ausgestreckte Hand stellt fast schon so etwas wie Nötigung dar, die Hand zu greifen.

Am besten, man schützt eine heftige Erkältung vor, gerade in der herbstlichen Grippezeit eine fürsorglich wirkende Taktik. Aber auch während der Zeit der Sommergrippe leicht unter Verweis auf die Rücksicht gegenüber dem Gesprächspartner nachvollziehbar. Allergiker mit rotgeränderten Augen können sie auch im Frühling nutzen, wenn die Pollen fliegen. Nicht-Allergiker sollen sich rotgeräderte Augen anschaffen. Und der Winter bringt es mit sich, immer Handschuhe mit sich zu führen.
Das kann einen ohne Fieber durch das Jahr bringen.

Wer allerdings auf Karriere aus ist, sollte diese Maßnahmen nicht seinen Vorgesetzten gegenüber anwenden. Denn zum einen wirken ständige - gerade vorgetäuschte - Krankheiten nicht unbedingt karrierefördernd. Zum anderen ist die vertrauensselig hingestreckte Hand des Chefs ein Ritterschlag, womit sich wieder der Kreis zum Mittelalter schließt.
Dem man anscheinend nicht entkommen kann. 
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