Jetzt blühen sie wieder, nach Jackos Tod: Die Verschwörungstheorien. Er ist gar nicht tot, sein Tod ist aus kommerziellen Gründen nur vorgetäuscht. Oder, um seinen Gläubigern zu entfliehen. Warum solle es ihm auch anders gehen als Elvis, der ja auch noch lebt oder John F. Kennedy, wobei letzterer zwar tot ist, aber die Umstände seines Todes jedenfalls eine Verschwörung darstellen. Genau wie bei Marilyn Monroe. Ein Wunder, daß man beim Tod von Kurt Cobain niemand auf den Gedanken kam, es hätte sich in Wahrheit zumindest um Mord gehandelt, wahrscheinlich jedoch um ein Komplott der Regierung, um die Jugend vor solchem Rebellentum zu schützen.
Die besten Verschwörungstheoretiker leben halt doch in Amerika.

Auch wenn es durchaus auch Verschwörungen in Europa gibt.

So darf daran erinnert werden, daß Adolf Hitler noch lebt, daß Lady Diana von wem auch immer um ihr Leben gebracht wurde und auch Herr Barschel einer geheimen Organisation zum Opfer fiel. Darüber gab es zum Teil sogar teure Untersuchungen auf Staatskosten, deren Ergebnisse aber eingefleischte Verschwörungsliebhaber nicht beeindrucken.
Es ist gerade Teil der Verschwörung zu behaupten, es sei keine.
Untersuchungen sind ja dazu da, die Verschwörung zu verschleiern, ein negatives Ergebnis beweist insofern, daß es sich gerade um ein Komplott handelt.

Warum aber das Bedürfnis der Menschen, hinter Unglücksfällen immer ein Werk von Menschen zu vermuten? Hinter Werken von einzelnen Menschen das Werk vieler Menschen in kollusivem Zusammenwirken? Das Zusammenwirken mehrerer Menschen als Konglomerat aus höchsten Kreisen auf politischer Ebene? Traut man dem Zufall nicht zu zu existieren? Glaubt man nicht an Schicksal, sondern ist Schicksal stets die Willensäußerung eines Menschen?
Will man die Welt immer böse sehen, statt auf die Banalität schlichter Zusammenhänge von Physik, Biologie und Kriminalistik zu bauen?

Da steckt immer mehr dahinter.

Auch deutet der Glaube, alles sei eine einzige, bösartige Verschwörung, auf wenig Vertrauen in staatliche Organe hin. Man kann sich mit den Erklärungen der Obrigkeit nicht zufrieden geben. Hat man das Urvertrauen nicht mehr, den Optimismus nicht, daß alles seinen Gang geht? Kann man mit der Annahme, die da oben wollen uns da unten immer nur ans Leder und den Geldbeutel, ruhig leben? Macht es nicht Angst, den Machthabern alles zuzutrauen? Wie kann man noch sanft schlafen, wenn man befürchten muß, daß aus bloßer Boshaftigkeit und kalter Berechnung die Mächtigen stets alles tun könnten, um zum eigenen Nutzen anderen zu schaden?
Oder kann man sich nicht in das Unvermeidliche Fügen?

Daß weder Michael Jackson, noch John F. Kennedy Übermenschen waren (nein, nicht: Sind. Denn sie sind tot, tut mir Leid), sondern schlichtem Medikamentenmißbrauch oder dem Tötungswillen eines Einzelnen zum Opfer fielen? Daß man tatsächlich schon auf dem Mond gelandet ist, daß in Roswell kein UFO gelandet ist, daß McDonald's in ihre Hamburger keine gehackten Würmer mischt, um den Durst zu steigern (das wird mit dem Salz gemacht). Daß Marilyn nicht der CIA zum Opfer fiel, sondern ungesunder und unglücklicher Lebensweise? 
Bei Trauerfällen in unserer Verwandtschaft glauben wir das auch nicht, warum also bei Menschen, von denen wir nur die Fassade kennen?

Ohne Fakten verschwört es sich eben leichter, Tatsachenkenntnis steht einer ausufernden Verschwörungstheorie nur im Wege.
Manchmal allerdings werden wir denn doch überrascht. Wer hätte gedacht, daß das Bespitzelungssystem in der DDR noch lückenloser und perfider war, als es selbst Hardliner unter den kalten Kriegern immer mit Gier und Geifer beschworen hatten? Wer hätte zur Zeit des Prozesses gegen Herrn Dreyfuß gedacht, daß es sich um ein Komplott handelte? Wer hätte gedacht, daß ein gewisser Todesschütze, der einen Studenten Ende der 60er Jahre erschoß, Mitglied der Stasi war?
Das Leben schreibt so absurde Verschwörungen.

Da ist es eigentlich unnötig, noch weitere zu erfinden. 
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