Es gehört den Hellen, heißt es, aber langsam dämmert das auch den Dummen. Denn es scheint auch ein Recht darauf zu geben, dumm zu sein. Dummheit ist eine Krankheit, an der derjenige, der angeblich an ihr leidet, tatsächlich nicht leidet. Weil es meist nur die Umgebung merkt, daß man dumm ist. Und das ist nur recht und billig, denn irgendeinen Nutzen muß es ja haben, sich nicht nur in Körperlichkeit zu ergehen. Die Zeit allerdings belohnt den Geist weit weniger als den Körper. Denn der Körpermensch hat das Recht für sich entdeckt und der Geistesmensch zeigt nicht, wes Geistes Kind er ist und läßt es zu, vom Körpermenschen übermannt zu werden.

Waren früher Körper und Geist noch ideell eine Einheit, so reicht es heutzutage vollkommen, Vollkommenheit nur in körperlicher Hinsicht anzustreben. Denn Geist kann man sich mieten, aber Körper kaum. Der Dumme kann sich Geschmack und Bildung anderer bedienen und damit durchkommen, aber wenn der Geistesmensch sich fremder Körperlichkeit bedient, gilt er als in der Midlifecrisis befindlich und als geistig nicht mehr ganz auf der Höhe.
Das Recht des Stärkeren ist auch in unserer Zeit angeblicher Vergeistlichung immer noch ein körperliches Recht.

Geistiges Eigentum soll demgemäß auch nicht mehr schützenswert sein.

Dafür wurde sogar schon eine Partei gegründet. Körperliche Rechte an Grundstücken, Dingen und sogar Personen (etwa im Fußball) sind kaum zu überwinden, aber geistige Rechte sollen allen gehören. Enteignung ist das ultima ratio und daher sehr selten, aber Aushöhlung des Gedankens des geistigen Eigentums ist allgegenwärtig. Das ist der Sieg des Körpers über den Geist. Es lohnt kaum noch, sich geistige Werte anzuschaffen, wer klug ist, der schafft sich allein körperliche Werte an. Zwar kann man auch körperliche Werte nicht ins Jenseits mitnehmen, man kann sie aber wenigstens im Diesseits besitzen.
Geistige Werte aber besitzen nicht einmal diesseits des Styx den Wert, den sie einst verkörperten.

Dabei ist es der Körper, der verfällt, während die Idee und damit die geistige Leistung weiterlebt. Aber mehr und mehr reduziert man diese Idee auf etwas Körperliches, setzte sie sogar mit ihrem Erfinder oder Entdecker gleich. Die Verehrung gilt der Person und damit dem Körper, nicht der Idee an sich und damit dem Geistigen. Glaubten die 68er einst, daß Diebstahl Eigentum ist, so gilt heute im Internet geistiges Eigentum als Diebstahl.
So wandeln sich die Zeiten.

Und da mag jemand sagen, der menschliche Geist habe den Materialismus überwunden. Nein, er huldigt ihm, indem er Geistiges dem Körper unterordnet.
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