Kaum etwas ist so zum heulen wie das Wetter in Bayern. Wobei mancher sagen würde: Der Tod von Michael Jackson vielleicht. Aber der Regen im Süden unseres Landes ist wenigstens echt, anders als die mediengerecht zur Schau gestellten Krokodilstränen auf einer Bühne, von der ein 50jähriger Amerikaner abgetreten ist. Was war das doch für ein unwürdiges Spektakel, für das es sogar teure Eintrittskarten gab? Eintrittskarten zu einer Trauerfeier, über die man sich freuen konnte (die Karten, nicht die Feier, wobei auch das paradox erscheint). Das Ganze wurde noch im Fernsehen übertragen und ähnelte eher der Oscar-Verleihung denn einer Veranstaltung zum Abschiednehmen. Am meisten hat man wahrscheinlich Abschied genommen von Anstand und Ansehen.
Muß man sein kommerzielles Interesse so in den Mittelpunkt stellen?

Muß man noch den Tod eines nahen Angehörigen so sehr ausbeuten?

Hat der Jackson-Clan, angeführt vom Vater, der Michael schon um seine Kindheit brachte, nicht schon genug Geld aus dem Toten geschüttelt? Man schüttelte sich, wenn sich die Stars und Sternchen die Klinke in die Hand gaben. Man brachte ihn auch noch um den letzten Rest an Aufrichtigkeit, nachdem man ihn schon durch Medikamente umgebracht hatte. Wenn die Tochter des Verblichenen, die er zeitlebens mit einer Maske vor der Öffentlichkeit schützen wollte, nun in Großaufnahme auf Ansage ein paar Tränen aus dem Augenwinkel fließen ließ, dann war das schon der Tiefpunkt einer Vermarktungsaktion, die sicher bald in die Veröffentlichung der ersten CD mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen des Künstlers münden wird.
Warum man nicht gleich die Gelegenheit genutzt hat und den Zeitpunkt der Veröffentlichung bekanntgegeben hat?

Wollte man ihn zu Lebzeiten kaum noch hören, kann man ihn jetzt wegen sakraler Dauerberieselung auch schon kaum mehr hören.

Wieviele der Tränen mögen wohl echt gewesen sein? Es waren so viele Menschen da, obwohl der ungekrönte König des Pop zeitlebens sehr einsam zu sein schien. Vor allem aber war die Presse vertreten, und zwar dieselbe, die zuletzt kaum noch Positives von dem König des Poppens zu berichten wußte. Pleiten waren da noch die freundlicheren Themen, die in Zusammenhang mit M.J. fielen, Kinderschänder schien er zu sein und auch kränkliches Produkt vieler unüberlegter Schönheitsoperationen. 
Wer würde je Herrn Jackson als prominenten Vertreter einer seltenen Hautkrankheit sehen, die die Haut bleicht und die Nasenspitze lockert?

Weltweit wurde nur noch über den Niedergang einer Legende berichtet.

Ein Meer von Tränen als öffentliche Inszenierung, ein Trugbild an Trauer um jemanden, den ein Bruchteil der Trauergäste als Menschen kannte. Eine Zurschaustellung von Gefühlen, die man zu haben hat, wenn man sich ins rechte Licht rücken will. Wenn man eigene Musik verkaufen will oder seinen Namen einfach wieder einmal in den Klatschspalten lesen will: Ja, ich war auch da und ich war gut in Emotionen, die man mir nahegelegt hat.
I'm a celebrity, get me into the charts.

Wer je das Pech hatte, um einen nahen Angehörigen zu trauern, der kann soviel Verlogenheit nicht verstehen. Muß man ihn bis nach seinem Tod so zusetzen, daß man nicht einmal dann zugestehen kann, daß Trauer eigentlich etwas sehr Persönliches ist, das man in sich trägt und das man üblicherweise still und in sich gekehrt mit sich selbst ausmacht? Aber man wollte ihn wohl so sterben lassen, wie man ihn auch schon lebend präsentiert hat: In einem Konglomerat aus amerikanischer Tragödie und wohldurchdachtem Disney-Kitsch.
Kleiner geht es nicht unter der Sonne Kaliforniens, wo soviel Ruhm nur dadurch zustande kommt, daß ein Regisseur das Auge des Betrachters ins rechte Licht rückt.

Um manchmal Lacher einzublenden, daß die Leute auch wissen, wann sie zu lachen haben. Diesmal hat man massenhaft Schluchzer eingebaut, damit man weiß, wann man weinen muß.
Es ist einfach zum Heulen. 
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