Es ist nichts falsch daran, sich auch mal ein bißchen zu pflegen. Auch einmal an sich zu denken. Allerdings sollte das nicht Vorwand sein, irgendwann nur noch aus Pflege zu bestehen. Menschen, die sich "gepflegt" nennen, neigen eher dazu, des Guten zuviel zu wollen und eher aufgetakelt zu wirken. Wenn etwa so mancher Südländer wüßte, wie tuntenhaft und halbseiden sein Outfit aus Gel und Hairstyling wirkt, er würde wohl ein wenig lockerer werden, was die Gnadenlosigkeit der Aufmachung anbelangt.
Aber dabei versteht so mancher angeblich Lässige so gar keinen Spaß.

Man zieht sich so an, um so das andere Geschlecht anzuziehen, aber doch nicht das eigene.

Dennoch wirken solche übereifrig Gepflegten eher unfreiwillig komisch, wenn sie allzu früh aufstehen, weil sie nur gestylt aus dem Haus gehen dürfen. Sie wissen, was sie sich schuldig sind. Alles unter künstlicher Kontrolle vom geschniegelten Kopf zur trendigen Sohle, die man auf's gesellschaftliche Parkett legt. Und wer alle Mühe auf sein Äußeres legt, hat auch wenig Zeit, sich um sein Innenleben zu kümmern. Man hat nur noch sein Äußeres, worauf man auch Wert legt. Es gilt ja schließlich, Gleichgläubigen zu zeigen, wo man seine Prioritäten hat.

Wobei es nicht allein um schnöde Äußerlichkeiten geht. Es geht um schnöden Lifestyle, darum, das Lebensgefühl, das man mittelbar aus den Medien kennt, unmittelbar in seine Wohnstube zu holen. Der Geruch der großen, weiten Welt mit dem Aussehen derselben. Denn der schöne Schein zählt alles, egal, wie man sich dabei fühlen mag. Wenn es wenigstens so aussieht, als hätte man Spaß, dann ist das der ganze Spaß, den man hat. Hauptsache, die anderen, denen das auch wichtig ist, haben die Illusion, man sei auch mit dabei, was immer es auch sein mag.
Ich sehe so aus, als ob, also bin ich.

Man kann sich aber auch einfach eine Auszeit gönnen, auf die Meinung der andere pfeifen, das tun, wozu man Lust hat und sich allein an seinen eigenen Bedürfnissen orientieren. Seinen eigenen Weg ungeachtet dessen, was einem Werbung und Trend vorgibt gehen und sich selbst genügen.
Das pflegt vielleicht nicht das Image in den Augen der Annderen.

Aber das ist die wahre Selbstpflege.

Wenn einem egal ist, was andere davon halten, wenn es nur einem selbst gut tut. Das muß auch kein anderer verstehen als man selbst. 
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