Es ist eine neue Betätigungsart, die als Einziges den Tag so mancher Mitmenschen ausfüllt: Sich auf Stellenanzeigen zu bewerben. Allerdings gibt es zwei Arten von Intentionen: Während ein Großteil hofft, damit eine Durststrecke der Arbeitslosigkeit zu überwinden und endlich wieder in den normalen Arbeitsalltag zurückzufinden, hofft der andere Teil darauf, daß sich am gemütlichen Alltag wenig ändert. Während die Hoffnungsvollen Internetseiten studieren, welche Fotos die meisten Chancen haben, von peniblem Personalpersonal in die engere Auswahl zu kommen und lange an Formulierungen feilen, die sie in einem angenehmen Licht erscheinen lassen, gibt sich der andere Teil nachgerade Mühe, auch dem nachlässigsten Arbeitgeber als unannehmbar ins Auge zu fallen.

Hier ein paar Tips, wie man es nicht machen sollte.

1. Bilder von Trinkgelagen erregen Aufmerksamkeit und weisen auch den lockersten Chef darauf hin, daß dieser Arbeitnehmer die Arbeitszeiten allerhöchstens als groben Rahmen ansehen könnte. Zwar mag man für gute Stimmung innerhalb der Belegschaft sorgen, aber große Produktivität ist gerade an Montagen nicht zu erwarten. Solche Bilder braucht man auch nicht beizulegen, man kann sie ins Internet stellen und in der Bewerbung darauf verweisen. Dann spart man sich den Ausdruck auch für Folgefälle.

2. Die äußere Form der Bewerbung sollte mindestens ein Eselsohr und auch einen Fettfleck beinhalten, aber hierbei nicht übertreiben, damit es nicht an Authetizität verliert. Verschiedene Schrifttypen erschweren die Lesbarkeit und natürlich sollte der Text nicht formatiert sein. Profis schreiben ihre Pamphlete mit der Hand, oder, sollte die eigene Handschrift allzu leserlich sein, lassen sie von eher unbegabten Schreibern schreiben.

3. Inhaltlich sollte das Schreiben mindestens ein paar Rechtschreibfehler enthalten, zur Not unter Zuhilfenahme der Fehlerkontrolle des Rechtschreibprogramms. Auch hier sollte man nicht übertreiben. Außerdem sollte man auch seine Fehler nicht verschweigen, insbesondere, wenn man seine letzte Anstellung wegen Unpünktlichkeit oder Faulheit verloren haben sollte. Hier gilt es aber, diese Fakten nur mittelbar einzuführen, indem man etwa über den letzten Vorgesetzten ausgiebig schimpft (gerne mit Namensnennung, damit der Personalchef die Möglichkeit hat, diesen gegebenenfalls selbst zu kontaktieren). Auch auf gesundheitliche Einschränkungen sollte man fairerweise hinweisen, ebenso Dinge, die man auch für Geld nicht machen würde (Achtung: Hier einfach zu schreiben "Arbeiten" erscheint allzu durchsichtig).

4. Sollte man dann doch wider Erwarten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, ist unpassende Kleidung selbstverständlich Pflicht. Bei Männern kurze Hosen und weiße Socken in offenen Sandalen, bei Damen nabelfrei und stark geschminkt (Achtung auch hier: Bei Bewerbung im Rotlichtmillieu gilt genau das Gegenteil). Auch ist es wichtig, von Anfang an sehr distanzlos aufzutreten, etwa gleich von Anfang an hemmungslos zu duzen. Fortgeschrittene baggern hier gerne mal den Personalmitarbeiter an oder gähnen fortwährend unter Verweis darauf, wie lang die Nacht gestern wieder war (Achtung: Hierbei nicht übertreiben. Verschwörerisches Augenzwinkern wirkt aufgesetzt, es genügt, sich in den Sitz zu flätsen). Schon bei Handschlag sollte man entweder allzu fest oder allzu locker zudrücken. Und niemals dem Personaler in die Augen sehen. Bei Antworten immer herumstopseln und auf den Boden starren. Und merke: Nasebohren ist dezent erlaubt, der ständige Griff in den Schritt ist zu dick aufgetragen. Natürlich kommt man nicht pünktlich und entschuldigt sich dafür nicht. Hochsprache liegt nicht jedem und ist daher unpassend, Fäkalausdrücke können das Eis rasch zum Schmelzen bringen.

5. Sollte man den Job dennoch bekommen und so der geliebten Sozialhilfe verlustig entgehen, dann kann man sich immer noch in Krankheit flüchten (Achtung: Nur Anfänger teilen die vorgetäuschte Krankheit unverzüglich mit). Vor allem aber sollte man sich lang und breit über seinen neuen Brötchengeber im Internet auslassen. Wenn das nicht hilft: Gratulation. Solch einen Job findet man nicht allzu leicht.

Für alle, die diese Beschreibung ungerecht finden und die sich förmlich zerreißen, um eine bezahlte Tätigkeit zu finden: Machen Sie genau das Gegenteil von dem oben Beschriebenen, und zwar beharrlich.
 
Zurück zu Home