Wie oft packt einen der Mißmut über so manchen Mißstand in der Welt. Wobei die Menschen damit nicht unbedingt den Hunger in der Zweidrittelwelt oder die Kriegslust despotischer Dikatatoren meinen. Nein, Zorn über weltliche Dinge hat meist mit eigenen Angelegenheiten zu tun. So sind viele unzufrieden mit dem eigenen Vermögen oder Einkommen. Mögen sie auch deutlich mehr haben und verdienen als so mancher andernorts oder sogar hierzulande: Immer, wenn man einen über sich weiß, hat man das Gefühl, es sei ungerecht, wo sich dieser unfairerweise im sozialen Gefüge aufhält.
Selten sieht man hierbei nach unten.

Zornig darüber, daß man selbst gegenüber anderen bevorteiligt ist, ist man eher sehr selten.

Wenn man krank ist, tröstet einen auch weniger, wievielen Zeitgenossen es gesundheitlich noch viel schlechter geht als einem selbst, man blendet die vielen Behinderten, chronisch Schwerkranken und auch in ihrer pathologischen Misere zu einem normalen Alltag Unfähigen völlig bei einer solchen Betrachtung aus. Es kümmert auch wenig, wieviele Menschen sich kein Auto leisten können, wenn es Menschen gibt , die sich anscheinend eins leisten können, das größer ist, teurer ist oder zumindest so aussieht. Wer ein eigenes Haus besitzt, der blickt nicht mitleidig auf diejenigen hinunter, die nur eine kleine Wohnung oder gar kein festes Zuhause haben. Nein, ihr Blick gilt den Luxusvillen und Schlössern, jedenfalls den freistehenden Häusern mit Swimming Pool.
Der Mensch ist selten zufrieden, wenn jemand mehr hat als man selbst.

In der Urzeit mag das das Überleben gesichert haben, heute sichert das nur eine permanente Unzufriedenheit.

Wer, der über eine stabile Partnerschaft, einen sicheren Arbeitsplatz und ein schönes Zuhause verfügt, erkennt schon, daß er doch eigentlich viel Glück hat im Leben? Man muß erst Single oder arbeitslos werden oder seines Heims verlustig gehen, um in der Rückschau auf die alten Zeiten zu erkenn, wie zufrieden man hätte sein müssen, als man noch alles hatte, was man zu einem perfekten Dasein braucht. 
Vielleicht muß es einem von Zeit zu Zeit schlecht gehen, um zu erkennen, daß nicht alles selbstverständlich ist, sondern es durchaus nach unten gehen kann.
Oder sollte auch die Mitmenschen ganz wahrnehmen, nicht nur unter bestimmten Aspekten.

So hat jeder sein Kreuz zu tragen. Mancher mag reicher sein, dann hat er familiäre oder gesundheitliche Probleme. Mancher mag den vermeintlichen Traumpartner haben, dann hat er beruflichen Unbill, mancher mag den Traumjob haben, aber allein sein. Das umfassende Paradies auf Erden gibt es selten.
Außer, man erkennt das, was man hat, schon als solches an.
Das Glück liegt, viel mehr als alles andere, im Auge des Betrachters.

Man muß nur zulassen, Glück nicht relativ zu anderen zu sehen, sondern dabei allein sich und seine wahren Bedürfnisse objektiv zu würdigen.

Oft wird man feststellen: Was einem allein fehlt, ist der Mut zur Zufriedenheit. 
Der Mut, sich von anderen nicht weismachen und einreden zu lassen, man vermisse etwas.
Vor allem nicht von solchen, die selbst von Neid und Zorn geleitet sind auf die Ungerechtigkeit der Welt.

Denn die Welt ist nicht per se ungerecht, sondern wird durch Verkennung der Bedürfnisse des Einzelnen dazu gemacht.
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