Der Tod von Michael Jackson zeigt es: Am Tode ist die Menschheit interessiert, offenbar noch mehr als am Leben. Wer zum Ende seines Daseins auf Erden (anschließend soll es ja weitergehen) noch nahezu allein dastand, bewegt plötzlich, kaum ist seine Seele aus dem Köpoer gewichen, Massen. Das gilt schon für so manchen Normalsterblichen, um so mehr aber für Menschen, die einen Prominentenstatus für sich beanspruchen (und beanspruchen können).
Das sind allerdings viele.

Herr Jackson ist da kein Einzelfall.

Mit der Masse an Stars, die Film, Funk, Fernsehen, Musik, Sport, Politik, Kunst, Literatur und was weiß ich alles hervorgebracht haben, rollt eine unglaubliche Masse an Trauerarbeit auf uns zu. Sicher, manche meinen, Herr J. wäre schon etwas Besonderes gewesen. Das war er sicher auch, aber es gibt auch eine gerade inflationäre Menge an sonstigen Weltstars, die extraordinär waren und die auch nicht ewig leben werden. Amerikanische Schauspieler, englische Musiker, Politiker aller Länder. Gorbatschow wird irgendwann sterben, auch die Rolling Stones (ein Wunder, daß sie überhaupt noch leben), Tom Hanks, Jack Nickelson, um nur ein paar zu nennen. Ich könnte mir vortellen, daß auch bei dem Tod eines Clinton oder Paul McCartney nicht sofort zur Tagesordnung übergegangen werden wird.
National werden Vicco von Bülow, Otto oder auch Grönemeyer nicht schweigend übergangen werden.

Um auch da nur ein paar zu nennen.

Die Massenmedien produzieren tagtäglich Stars, in Serien, Filmen, in Musiksendungen. Diese große Anzahl an Möglichkeiten, ein Publikum zu finden, war in der Vergangenheit nicht so gewaltig. Das Internet hat diesen Prozess noch beschleunigt. War die Nachricht vom Tode Farrah F. schon eine Meldung, obwohl diese Dame gerade einmal eine Fernsehserie aus den 70er Jahren vorzuweisen hatte, was mag dann erst passieren, wenn Käp't Kirk von uns geht?

Als wäre jemand gestorben, den man persönlich kannte, dabei kannte man nur seine Rolle, und auch die nur ausschnittsweise. Und die Rolle lebt weiter, auch nach dem Ableben des Darstellers (William Shatner paßt seine frühere Garderobe ohnehin nicht mehr). Trauert man wirklich der Person nach? Oder hat man nicht doch den Eindruck, damit wäre auch die künstliche Figur aus dem Zelluloid geschieden? Man kann Charly Chaplin immer noch in Aktion sehen und auch Michael Jackson hören und sehen, Goethe kann man noch lesen und von Gogh bewundern. Man sollte doch meinen, der Schöpfer sollte hinter seinem Werk zurücktreten. Das Werk mag die Zeiten überdauern, aber der Urheber in all seiner Menschlichkeit und Fehlerhaftigkeit sollte nicht zum Selbstzweck werden, indem jede noch so banale Lebensäußerung vielfach dokumentiert und kolportiert wird.
Das ist der Fluch der Mediengesellschaft und der Größe der Speichermedien.

Vermutlich können die Menschen zwischen den Menschen und ihren Rollen nicht trennen, anscheinend war die Illusion derart perfekt. Und bewegend.
Sie sind so in ihrer Traumweltgefangen, daß sie ihre Idole auch noch dort vermuten.

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