Sicher ein witziges Buch, das der Mediziner und Kabarettist von Hirschhausen da seit Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten lanciert hat. Es enthält viel Richtiges, aber seine Beispiele überzeugen nicht immer. So gibt er als Exempel dafür an, daß sich Glück nicht im Bruttosozialprodukt messen läßt, daß zwei Menschen einen Verkehrsunfall erleiden, bei dem sie erheblich verletzt und ihre Fahrzeuge beschädigt werden. Die Heilbehandlung und die Autoreparatur kosten Geld und treiben so das BSP in die Höhe.
Glücklicher seien die beiden deshalb aber noch lange nicht, im Gegenteil: Sie liegen im Krankenhaus und befinden sich auf Rehabilitation.

Dieses Beispiel mag das richtige Ziel verfolgen, aber es trifft dies nicht.

Denn der Unfall betrifft nicht nur die zwei, sondern auch die Mechaniker, die das Auto reparieren. Und dadurch Arbeit haben und Lohn und sich und ihre Familien ernähren können. Aufträge sind bares Geld, gerade in Zeiten der Krise. Auch die Ärzte und Schwestern und Physiotherapeuten und Apotheker und die Pharmaindustrie verdienen Geld, mag es im Fall der Schwestern auch nicht viel sein. Aber der Arzt kann sein Wissen anwenden und helfen, der Apotheker ebenfalls und auch die Hersteller der Medikamente profitieren.
Deren Glückswert steigt mit dem Unglück der Verletzten.

Und es ist auch nicht gesagt, daß das Unglück für die beiden Opfer nur ausschließlich negative Folgen hatte. So sind sie zum einen für die Zukunft gewarnt, ihre Fahrweise zu überprüfen, eine Maßnahme, die ihr und das Leben anderer retten kann. Auch ist eine schwere Verletzung und das Bewußtsein, dem Tode knapp entgangen zu sein, eine Grenzerfahrung, die Anlaß bietet, über den Sinn des Lebens nachzudenken und in Zukunft mehr auf das zu achten, was wirklich zählt. Seine inneren Werte wieder mehr zu betonen, statt achtlos vor sich hin zu vegetieren. 
Und auch das Dasein wieder mehr zu genießen.

Mich wundert, daß gerade ein promovierter Arzt verkennt, daß in jeder Krankheit auch eine Chance liegt. Inne zu halten und Bilanz zu ziehen, wieder ein wenig bewußter zu leben und vor allem auch wieder ein wenig dankbarer dafür zu sein, wie gut es einem geht.
Wenn es einem denn wieder gut geht.

Und man leicht vergißt, daß das nicht selbstverständlich ist. Allein diese Erkenntnis ist mit Geld gar nicht zu bezahlen.
Und das kann auch Glück bedeuten. 
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