Nein, das ist kein Schreibfehler. Ich weiß, daß die jüngst so strapazierte Norm "Nichtraucherschutzgesetz" heißt. Oder hieß, denn obwohl es eigentlich in Bayern noch in Kraft ist, wird es nicht mehr streng angewendet. Will heißen: Die Behörden schauen gesetzeswidrig nicht so genau hin.
Ein einmaliger Vorgang.

Die Verwaltung muß sich an die Gesetze halten, ein Recht zur Prüfung hat sie grundsätzlich nicht.

Dennoch hat sich die Raucherlobby lautstark zu Wort gemeldet. Angeblich hat das Gesetz die Umsätze der Gastwirte sinken lassen. Ob das auch mit der allgemeinen Wirtschaftslage zusammenhängt, wird nicht eruiert. Nun ist Zielrichtung des Gesetzes eigentlich nicht gewesen, der Gastronomie ihre Gäste zu erhalten oder zu vertreiben, sondern der Sinn war es allein, die Passivraucher vor den Rauchern zu schützen, übrigens Gäste wie Personal. Es war doch herrlich, sich in rauchfreien Kneipen aufzuhalten. Und nach einem schönen Abend nicht unschön zu riechen. Aha, Sie waren also weg. 
Aber schon schickten sich die Raucher an, das Gesetz aufzuhalten.

Und heute haben wir eine rauchige Atmosphäre voller Rechtsunsicherheit.

Gilt eigentlich die Gurtpflicht noch? Das Handyverbot am Steuer? Aber sicher. Aber das Nichtraucherschutzgesetz wurde faktisch ausgehebelt. Man darf wieder in Lokalen Kraut anzünden und es sich in die Lunge jagen. Merkwürdig, wenn man so über das Rauchen nachdenkt: Sich bewußt hunderte Giftstoffe in den Körper qualmen zu lassen, unter bewußter Schädigung der eigenen Gesundheit.
Und auch fremder Gesundheit.

Aber Hauptsache, die Gastwirte verdienen Geld. 

Da schadet es nichts, wenn Jahr für Jahr Menschen durch Tabak an Krebs erkranken, ihre Gliedmaßen verlieren, von denen gar nicht zu sprechen, die mit einer Zigarette im Bett einschlafen und - wenn sie Glück haben - noch rechtzeitig von freundlichen Feuerwehrleuten geweckt werden. Aber das passiert meist in privaten Räumen.
Da ist Rauchen selbstverständlich ohne Beschränkung gestattet.

Mag man Kinder oder nichtrauchende Ehepartner haben.

Aber es geht eben nichts über die erste Zigarette am Morgen, die nach den Mahlzeiten und die zur Unterbrechung der Arbeit. Wobei man hierbei auch noch einige Zeit am Tag die Nichtraucher für sich mitarbeiten läßt, weil die eben keine gute Ausrede haben, einige Male täglich alle Tätigkeiten einzustellen, um der Sucht zu frönen.
Dem Tabak und dem Alkohol wird die Arbeit dagegen leicht gemacht.

Als wenn es gottgegeben wäre zu rauchen.

Bekämpft man die Sucht gegen Drogen etwa vehement, ist der Zugang zu Zigaretten nur allzu leicht. Da helfen ein paar Automaten, an denen man eine EC-Karte einstecken muß, nur unzureichend. Wer als Jugendlicher rauchen will, kann das mittlerweile wieder umsonst in einem Restaurant tun, als aktiver Passivraucher. Und dort zusehen, was manche unter dem Erwachsenwerden verstehen: Auch dazuzugehören, indem man einen Glimmstengel in seinem Mund verbrennt. Und man will auch dazugehören, will älter wirken, als man ist. Zwar muß man sich die ersten Male überwinden, diesen scheußlichen Rauch einzuatmen. Wenn man diese Durststrecke aber erst einmal überwunden hat, dann gibt es kein Zurück.
Dann gehört man auch dazu.
Wozu auch immer.

Und steht unter dem besonderen Schutz der Verwaltung. Tut eigentlich etwas Gesetzeswidriges, wird aber dafür nicht belangt.
Einzigartig.

Das gibt es nur in Bayern, in der vielgerühmten Liberalitas Bavariae. 
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