Warum man den Kampf um das runde Plastik als "schönste Nebensache der Welt" bezeichnet, ist all denen schleierhaft, die andere Nebensachen als nun gerade ein Kloppen von zweiundzwanzig Millionären um einen runden Werbeträger eher bevorzugen. Wegen Fußball werden jede Menge anderer Fernsehsendungen verschoben, wegen Fußball spielen sich in vielen Haushalten Ehedramen ab und wegen Fußball wird mindestens alle zwei Wochen das Stadion um die Ecke für alle Normalsterblichen und Normalverletzlichen zur Nicht-Geh-Gegend (um das mal deutsch auszudrücken).
Von soviel Popularität können Nischensportler nur träumen.

Als Wasserballspieler wird man nicht so leicht zur Werbeikone.

Aber es ist, wie es ist: Über Fußball werden Bücher geschrieben, die das allgemeine Interesse gerade an dieser Sportart ergründen sollen. Fußball nimmt Einfluß auf Terminplanungen wie sonst kein Sport: Wer legt schon ein größeres Ereignis (auf neudeutsch: "Event") gerade auf den Tag eines Länderspiels unter Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft oder sogar ein Endspiel? Fußball verbindet den schöngeistigen Intellektuellen mit dem erdverbundenen Handwerker, bringt zu Weltmeisterschaftszeiten Fahnenmeere auf Autodächer und spült Millionen auf die Konten der Beteiligten.
Fußball ist auch ein Wirtschaftsfaktor geworden.

Und das nicht nur rund um das nasse Gold. Man kann sich damit auch eine goldene Nase verdienen.

Mit Fußball kann man auch Staat machen, jedenfalls Politik; versuchen sie das mal mit klassischer Musik. Fußball ist schon lange Teil einer nationalen Propaganda, aber auch der Zusammenführung der Völker; mit noch so berührenden Gedichten ist das kaum möglich. Das Abschneiden afrikanischer Mannschaften etwa mag viel zum Abbau von rassistischen Weltbildern beigetragen haben und auch die mageren, geographischen Kenntnisse sehr ortstreuer Zeitgenossen verbessert haben. Fußball ist rund um den Erdball Sportart Nummer eins, da können weder Tennis noch Football mithalten (auch wenn es sich bei direkter Übersetzung um denselben Sport zu handeln scheint).
Aber das kann man auch anders sehen.

Was ist nicht alles schon gegen den Fußball gesagt worden.

Wo neunundachtzig quälend langweilige Minuten nichts passiert und dann eine Mannschaft durch einen Fehler des Schiedsrichters als "verdienter Sieger" gefeiert wird. Wo elf eher rustikale Männer ohne jedwede Bildung oder Lokalpatriotismus elf Feinmechaniker aufgrund einer mannschaftlichen Geschlossenheit in Schach halten können. Wo absichtliche Fouls gelobt werden, wenn sie Erfolg erbringen. Wo rhetorische Totalausfälle ihre Stilblüten in Mikrophone stottern, damit damit teuer bezahlte Sendezeit an sich seriöser Fernsehsender gefüllt werden. Ältere Männer mit Bierbauch ziehen sich überdimensionierte Vereinstrikots an und grölen sinnfreie Parolen, ohne sich zu schämen. Sogenannte Anhänger verwüsten Zugabteile und Innenstädte, verprügeln unbeteiligte Passanten und binden Hundertschaften der mit Steuergeldern finanzierten Polizei an sich (Allerdings: Was würden all die Wahnsinnigen machen, die der Fußball an sich bindet?) An sich vernünftige Menschen degradieren während Fußballspielen zu hirnamputierten Idioten und lassen alle verschütteten niederen Instinkte zum Vorschein kommen.
Nicht sehr zur Freude der nicht mit dem Fußballvirus infizierten Umwelt.

König Fußball ist manchmal ein Gewaltherrscher.

Und er bräche sich keine Zacke aus der Krone, wenn er sich nicht so wichtig nähme. Die Nebensache nicht unbedingt zur Hauptsache machen. Niederlagen im Endspiel nicht persönlich nehmen und gegen die Region richten, aus der die Siegermannschaft stammt. Nicht das gesamte, öffentliche Leben nach dem Fußball ausrichten. Fußballspieler nicht ernst und vor allem nicht als Vorbild nehmen. Es merkwürdig finden, daß gerade mit müde machendem Bier oftmals vor Fußballspielen geworben wird. Frisuren von eher einfachen Spielern nicht in das allgemeine Straßenbild zu übernehmen.
Aber das sind Wunschvorstellungen.

Fußball regiert die Welt. Und dementsprechend sieht die Welt aus. 
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