Die Vorstellungen von dem, was nach dem Tode kommt oder nicht, sind verschieden. Während zunehmend Menschen davon ausgehen, daß das Ableben nur ein schwarzes, bloßes Nichts nach sich zieht, glauben sich andere als etwas anderes wiedergeboren, und das abhängig von ihrem Vorleben. 
Hierzulande lange an der Spitze der Vorstellungen vom Leben nach dem Tode war ein Dualismus zwischen Himmel und Hölle. Digitales Denken gewissermaßen, und das lange vor der Zeit des Computers. Wenn man viele Sünden auf sein Register geladen hatte, dann ging es hinab in das Reich des Teufels, wo man gequält wurde bis auf das Mark. Hierbei konnten die Folterknechte weit gehen, denn sterben konnten die Delinquenten nicht, sie waren ja schon tot. Verschiedene Höfe der Hölle waren verschiedenen Menschen zugeordnet, etwa Berufsständen (man dachte damals noch sehr in Klassen).
War man aber tugendhaft und ist sein Leben lang - oder zumindest nach der letzten Beichte - den Geboten des Herrn gefolgt, dann kam man ins Paradies, wo es deutlich angenehmer zuging als bei Luzifer und seinen Helfern. Man traf dort alle wieder, deren Leben auch sündenfrei gewesen war und schaute auf die herab, von denen sich herausgestellt hatte, daß sie doch nicht ganz so gut waren, wie man immer gemeint hatte.
Dazwischen gab es nichts. 

Allein die Vorstellung, man werde alle Verstorbenen im Jenseits wiedertreffen, hofft auf eine logistische Meisterleistung der Betreiber der dortigen Wohnorte. Denn wenn man seine Eltern und Freunde wiederfindet dann haben diese doch auch ihre Eltern und Geschwister und Freunde wiedergefunden, und diese Personen ihre, was letztlich zur Folge hat, daß alle Verblichenen auf einem Haufen sitzen.
Und das erscheint mir reichlich unwahrscheinlich.

Möglicherweise muß das Jenseits aber auch nicht mit drei Dimensionen auskommen: Und wenn der Raum ausreichend gut gefaltet ist, können auch viele Billionen Seelen direkt aufeinander hocken und dennoch ihre Beine ausstrecken, ohne sich eine Thrombose zu holen wie auf Langstreckenflügen in der Holzklasse (wobei man keinen Körper mehr hat, also auch keine Beine mehr, vielleicht passen dann alle Seelen platzsparend ineinander und werden eins).
Platz für jeden, und das neben jedem. Ja, dafür muß man dem Kosmos doch ein paar mehr Geheimnisse entlockt haben als der gemeine Ingenieur.

Gut, wenn man göttlich ist und die Naturgesetze selbst gestaltet hat. 

Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit, hier vorgestellt im Darwin-Jahr. Ausgehend davon, daß es in der Natur nicht unbedingt gerecht zugeht und nur die Besten überleben (sollten Sie Kreationist sein, können Sie diese Passagen überspringen), ist nicht unbedingt einzusehen, warum diese Naturgesetze nur für die Materie gelten sollten. Sollte die Seele tatsächlich den psychischen Tod überleben, wofür zumindest die Nahtod-Erfahrungsberichte sprechen, dann ist nicht unbedingt gesagt, daß jede Seele auch aufgehoben wird vom himmlischen Vater. 
Schließlich überleben in der Natur auch nur diejenigen, die sich am besten bewähren, die den Gegebenheiten am besten angepaßt sind. 

Die anderen werden von Wölfen gerissen.

Möglicherweise ist es die Aufgabe des Menschen, seine Seele zu einem gewissen Zustand heranreifen zu lassen, wobei ich jetzt einmal offen lassen, welcher Zustand das genau sein mag. Jedenfalls werden adäquate Seelen aufbewahrt, während solche, die sich nicht entsprechend entwickelt haben, schlicht vernichtet werden. Warum sollte man auch solche Seelen, aus denen nichts geworden ist, ewig lagern; sie würden durch schlichtes Aufbewahren nicht besser. 
Diejenigen aber, die Unsterblichkeit erlangt haben, sind es wert, in die Ewigkeit einzugehen.

Jetzt kann man sich Gedanken machen, welche Seelen es wert sind, daß man sie ewig am Hals hat. Hier könnte man natürlich darauf abstellen, daß nur solche Menschen, die ein sogenanntes "gottgefälliges" Leben geführt haben, die Chance haben, auch nach dem Tode zu existieren. Allerdings sind die Gebote und Regeln, die angeblich von Gott stammen, größtenteils mündliche Überlieferungen und teilweise eindeutig von Menschen gemacht. 
Es ist auch schon immer ein guter Trick gewesen, die Untertanen an die Kandare zu nehmen, indem man Gesetze erließ, die angeblich göttlichen Ursprungs waren. 

Das Berufen auf Autoritäten ist ein alter, rhetorischer Schachzug und geeignet, Eindruck beim Volk zu erzeugen.

Möglicherweise geht es darum, ein Bewußtsein für sich und die Existenz entwickelt zu haben, seinen Geist geschult zu haben und die Fähigkeit entwickelt zu haben, aus dem eigenen Sein auf das Sein anderer Individuen zu schließen. Nicht nur dem materiellen zugewandt zu sein, sondern auch und vor allem dem Geistigen und Spirituellen. Seinen eigenen Weg gegangen zu sein und sein eigenes Universum im Kopf entwickelt zu haben, ohne auf die Vorgaben anderer Rücksicht genommen zu haben.
Klar, das kann auch ganz anders sein. 

Wir werden es alle erfahren, sofern wir uns um diese Erfahrung schon zu Lebzeiten bemüht haben.
Ansonsten möglicherweise auch nicht. 
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