Jemanden naß zu machen, der ohnehin noch feucht hinter den Ohren ist, ist kein Kunststück. Gerade an einem feucht-fröhlichen Abend neigen Zecher dazu, die Zeche von jemandem tragen zu lassen, der die Tragweite der Entscheidung aufgrund der Zeche nicht mehr ganz überblickt. Wenn der am nächsten Morgen wieder klar denken kann, wird es ihm ziemlich naß reingehen. Da wollte man nur einmal seine Lippen befeuchten und nun ist man nicht mehr flüssig.

Ja, Feuchtigkeit ist eine Sache, die es weit gebracht hat in unserem Sprachgebrauch. 

Wer insbesondere einen feuchten Sprachgebrauch, also eine feuchte Aussprache hat, der kann auch mit trockenen Bemerkungen im allgemeinen nicht mehr punkten. Wenn es sich zudem um eine allzu naßforsche Persönlichkeit handelt, der macht seine Gesprächspartner auch buchstäblich naß.
Es gibt Menschen, die schieben ihre Opfer verbal durch ganze Räume vor sich her.

Das Gegenüber will Abstand, der Aggressor Attacke.

Auch hat in jüngerer Zeit das Wort Feuchtgebiete eine ganz neue Nuance erhalten. Verstand man früher ganz unschuldig Gegenden, in denen mehr Wasser als normal anzutreffen war, so hat sich dieser Begriff nunmehr vermenschlicht. Sicher besteht der Mensch zu 70% aus H2O und läßt seine Umwelt durch allerlei Ausscheidungen auch daran teilhaben, etwa durch Schweiß und Tränen. Aber den Menschen geradezu als Wasserreservoir zu sehen, das hat eine neue Qualität.
Wenn man in dem Zusammenhang von Qualität sprechen möchte.

Es gibt Dinge, die will man nicht so genau wissen. Und muß es auch nicht.

Aber auch in der menschlichen Umgebung kommt man ohne Feuchtigkeit nicht aus. Das fängt morgens mit der Naßzelle an (nicht zu verwechseln mit Gefängnissen, die unter Wasser stehen) und endet nicht selten damit, daß man im Regen stehen gelassen wird.  Regen bringt einem Kalauer gemäß Segen (wenn sich dagegen kein Widerspruch regt). Wer darüber lachen kann, dem sei gesagt, daß in der deutschen Sprache auch das Lachen etwas mit den Pfützen zu tun hat, die dabei entstehen, den Wasserlachen. Aber man tröstet sich mit dem Ausspruch, daß alles Gute bekanntlich von oben kommt. Worüber man im Urlaub allerdings nicht zu trösten ist, wenn dieser nämlich buchstäblich ins Wasser fällt. 
Aber wer wird gleich das Kind mit dem Bade ausschütten.

Wenn es schon einmal in den Brunnen gefallen ist.

So sind manche Menschen nahe am Wasser gebaut, und das gilt nicht nur für Küstenbewohner. Insbesondere, wenn sie wehmütig an bessere Zeiten zurückdenken, bekommen viele Nostalgiker feuchte Augen. Allerdings hat man auch damals nur mit Wasser gekocht, darüber sollte man sich nicht täuschen lassen.
Wasseruhren waren schon in der Antike anerkannte Zeitmesser.

Auch abseits der Meere fließt viel Wasser die Donau hinunter, bevor etwas passiert. 

Wasser hat außerdem viel Kraft und demgemäß steckt viel Hoffnung in der Wasserkraft, einer im übrigen nicht neuen Technologie. Berufsstände wie der Müller nutzen nicht nur Luft, sondern auch Wasser zum Mahlen. Auch das Kürschnerhandwerk kam ohne Flüsse nicht aus. Wasser hat zwar keine Balken, aber man kann damit auch Pelze waschen, wobei sich manche Traumtänzer wünschen, dabei dennoch nicht naß zu werden. Wenn man sich nicht vor Angst selbst naß macht. Das kann auch in feuchten Träumen passieren und, wenn man sich auf zu dünnem Eis bewegt.

Ja, Nässe zieht sich durch das Leben, denn ohne Flüssigkeit kein solches. Diese Erkenntnis ist allerdings selbst flüssig, sogar mehr als das. 
Sie ist so selbstverständlich, sie ist überflüssig. 
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