Abhängigkeit hat viele Gesichter. Ohne etwas nicht auskommen zu können, macht unfrei. Sich ohne Alkohol oder Drogen, Kaufen oder Sex, Spielen oder Computer nicht mehr zurechtzufinden, macht das Leben überschaubar, wenn man das, was man dann noch hat, überhaupt noch Leben nennen kann.
Mag das Gedächtnis nachlassen, das Suchtgedächtnis vergißt nie.

Und will befriedigt werden.

Befriedigend ist das nicht. Wobei man heutzutage aus allem eine Sucht macht. Man gibt dem Zustand einen lateinischen Namen und hält damit den Süchtigen in einer Krankheit gefangen, die er vielleicht nicht hätte, hätte man ihm nicht ärztlicherseits bestätigt, daß er darunter leidet. Wer früher nur glaubte, daß er halt gerne mal einkauft, der steht schnell mit einem Bein in der Psychotherapie. Solange er nicht Schulden machte und ansonsten seine Pflichten nicht vernachlässigte, hat man früher das Problem verkannt.
Ganz falsch, denn gerade die Taktik, seine Sucht zu verschleiern, ist ein typisches Zeichen für Abhängigkeit.

Der Süchtige schämt sich des Verlustes der Selbstkontrolle und übt sie dahingehend aus, daß er dies nicht offen zutage legt.

Paradox, denn gerade das macht ihn verdächtig, daß er so tut, als sei alles in Ordnung. In der Hand fähiger Psychiater verwandelt sich jeder sorgenlose Zeitgenosse schnell in einen pathologischen Fall. Das hat den Vorteil, daß man für seine Taten nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Allerdings hat das den Nachteil, daß man nicht mehr für voll genommen wird, selbst, wenn man voll sein sollte. Und wer nicht für voll genommen wird, der kann kaum ein erfülltes Dasein führen.
Er wird sich leer fühlen, nicht als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft.

Pech, wenn man nicht Psychologie studiert hat und sich mit wichtigen Fachbegriffen wehren kann. 

Allerdings weisen Psychiater meist Tätigkeiten Abhängigkeit zu, nicht dem Gegenteil. So kann man arbeitssüchtig sein, nicht aber arbeitslosigkeitssüchtig. So kann man sexsüchtig sein, aber nicht süchtig nach Lustlosigkeit. Man kann abhängig von Surfen im Internet sein, aber süchtig danach, sich vom Netz fernzuhalten, zählt nicht.
Wobei hier das Arsenal der Phobien helfen könnte.

Man hat dann halt eine Sexphobie, was der Fortpflanzung als eines der wichtigsten Zwecke des Lebens empfindlich entgegensteht. Allerdings darf die Behandlung der Phobien nicht in das Gegenteil umschlagen, in die Sucht. 
Wie man es macht, ist es verkehrt.

Balance zu halten zwischen diesen Extremen kann extrem anstrengend sein. Aber keine Bange: Irgendeine Sucht oder Phobie findet ein findiger Experte bei jedem.
Das ist die Sucht der Fachleute: Die Sucht, eine Abhängigkeit zu finden.

Die Abhängigkeitssucht.
 
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