Der Euro sei ein Teuro, sagen kalauerbegabte, aber wirtschaftlich nicht ganz so versierte Zeitgenossen und finden damit Gehör bei denen, die gerne meckern. Man wolle die Mark wieder, als wenn dann alles besser würde.
Wobei Jammern über Preise (oder wahlweise Steuern) nicht wirklich neu ist.

Das gab es auch noch zu Zeiten der guten, alten DM, nur kam niemand auf die Idee, etwa "Mark ist Quark" oder "DM heißt Quälen" zu dichten und sich den noch besseren, alten Taler zurück zu wünschen.
So käme man flugs auf die Preise des Mittelalters, weißt du noch: Da hat das Bier nur einen Pfennig gekostet.
Und manchmal hat man davon sogar noch was zurückbekommen.

Zudem sind in der gefühlten Inflation auch einige Fehler, die man berücksichtigen sollte. So beträgt der Umrechnungskurs zwischen DM und EUR nicht 1:1, was auch schon eine nicht unerhebliche Fehlerquote ausmacht. Zudem sind die Preise von 2001 eben nicht die von 2009, auch mit der DM wäre heute das Bier teurer als vor 8 Jahren. Mag so mancher die Einführung des Euro für eine saftige Preiserhöhung genutzt haben, ohne Euro wäre sie uns wohl auch nicht erspart geblieben.
Wer immer in der Vergangenheit lebt, für den ist die Gegenwart immer teurer, wobei er eigentlich eher die Vergangenheit als lieb und teuer ansieht.

Auch schaut man nur darauf, was teurer geworden ist, nicht auf das, was sich nicht verteuert hat (man schaut wohl immer nur auf das Negative, vor allem, wenn man gerne klagt) oder gar billiger geworden ist (die Milchbauern etwa bringt dieser Umstand an den Rand des Ruins). Wir kaufen billige Textilien und Großbildfernseher, Autos und Computer, Kameras und Mp3-Spieler (hurra, Geiz ist gut), wiegen damit aber den Ärger über den Kauf von verteuerten Waren nicht auf.
Wir wollen offenbar, daß alles gefälligst billiger zu werden hat.

Und wenn das nicht eintritt, muß irgendetwas daran schuld sein. Und dafür hat man den Euro auserkoren.

Die Einführung einer gemeinsamen Währung war allerdings unabdingbar. Und daß hierbei jede Nation auch Kompromisse machen muß. Wenn jeder nur seine kleine, nationale Suppe kocht, wird daraus kaum ein gesamteuropäisches Gericht, das alle satt macht. Und will man zusammen gehören, dann kann man nicht erwarten, daß alle anderen Länder deutsche Zustände einführen.
Zudem haben auch die anderen Länder der EU im wesentlichen den Euro eingeführt.

Die das nicht taten, wie Großbritannien, bereuen dies inzwischen zunehmend.

Man muß auch sehen, daß die Währung ein Symbol für Zusammengehörigkeit ist, das grenzüberschreitend für etwas Gemeinsames steht, das mehr als nur auf dem Papier eine Einheit schafft. Abgesehen davon, daß bei Reisen ein Umtausch in Landeswährung (üblicherweise auch mit einem Verlust und einer Gebühr verbunden) wegfällt, sollte uns die europäische Friedenssicherung (denn dafür ist die EU ins Lebens gerufen worden) zumindest dieses kleine Zugeständnis wert sein. Wesentliche Herausforderungen stemmt man besser gemeinsam und dazu gehört auf jeden Fall auch die weltweite Krise, die ein starker Euro gegen einen schwachen Dollar besser zu meistern imstand ist als Mark, Lire, Franc und Konsorten im Kleinen.
Gemeinsam sind wir stark.

Der Euro war nun einmal markerschütternd.

Wir müssen uns daran gewöhnen, daß die Welt kleiner geworden ist, daß die informationstechnische und wirtschaftliche Verzahnung der Märkte weltweit eine Isolation einzelner Staaten ausschließt.  Mag man über einzelne Preise jammern, von der Globalisierung der Wirtschaft profitiert Deutschland, auch von der EU und nicht zuletzt vom starken Euro. Europa verlangt schlicht nach einer gemeinsamen Währung und ohne Europa stände unser Land längst nicht so gut da. Wir leben zu einem Großteil vom Export, daran sei schlicht erinnert. 

Was hilft auch das Jammern, man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Die das wollen, haben offenbar vergessen, daß auch damals nicht alles Gold war, nicht einmal die Mark, die war aus Blech. Und schon damals haben die Jammerer gejammert.
Wenn man ihnen heute Glauben schenkt, dann war das schon damals ohne Grund.

Warum sollte es dann heute begründet sein?
 
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