Ist das schön, zu lieben und noch mehr, wenn man auch geliebt wird? Es geht im Leben nicht ohne. Wir alle harren der großen Liebe, oder haben wir sie gar schon gefunden? 
Wer nie geliebt hat oder geliebt wurde, ist unehrlich.

Oder wirklich arm dran.

Und immer die Frage, warum man den anderen denn liebe. Und immer Antworten, die vor positiven Eigenschaften nur so wimmeln. Trotz auch offenbar negativer Charakterzüge des Geliebten. Oder werden die Bösen nicht geliebt?  
Ein Blick in die Wirklichkeit zeigt aber: Auch der unsympathischte Zeitgenossen findet noch sein Gegenstück.

Oder auch jemanden, den er vermeintlich gar nicht verdient hat. Jedenfalls aus eigener, subjektiver Sicht. 
Liebe macht offensichtlich blind.

Für Nachteile und leider auch für Unehrlichkeit.

Und doch offenbart sich ein grundlegender Fehler, wenn man nach Gründen für Liebe sucht. Wer formuliert: "Ich liebe ihn/sie, weil...", hat schon verloren. Weil die Gefühlslage keine Motivation braucht. Die Beziehung vielleicht, aber nicht die Liebe. Wer am anderen gewisse Dinge schätzt, beschreibt möglicherweise nur, warum er mit demjenigen gut auskommt.
Und dauerhaft zusammen leben kann.

Aber wenn man jemanden liebt, was würde einen dann an diesem stören?

Oftmals entdeckt man doch an seinem Angebeteten Züge, die einen an anderen Mitmenschen herzlich auf die Nerven gehen würden. Nicht aber beim Erwählten, da akzeptiert man sie allenfalls als Teil seiner Persönlichkeit, als kleine Marotte oder liebenswerte Eigenheit. Und man erwacht auch nicht in Liebe zu jemandem, weil dieser über den einen oder anderen Vorzug verfügt.
Als wäre es eine rationale Überlegung, jemanden zu lieben.

Dieses innigliche Gefühl für den einen Menschen ist aber der eigenen Kontrolle weitgehend entzogen.
Sicher, wir können uns entscheiden, mit wem wir unser Leben (oder zumindest einen wesentlichen Teil davon) verbringen oder eher nicht. Aber wen wir lieben, das ist unserer willentlichen Entscheidung entzogen. Und so gibt es immer wieder Liebe über alle Grenzen, über alle Religionen, über alle Standesdünkel und soziale Stellungen, über alle Bedenken der Umwelt hinweg. Immer wieder folgen wir nicht den rationalen, oft aus dem Blickwinkel der Vernünftigkeit nachvollziehbaren Überlegungen unserer - auch wohlmeinenden - Umwelt, sondern allein dem, was wir unser Herz nennen.
Mögen auch solche Verbindungen nicht immer von shakespear'schem Bestand sein.

Sie alleine füllen unser Dasein mit Freude.

Aber sie orientieren sich nicht an Bilanzen und Augenhöhe. Liebe braucht oft auch keine gemeinsame Sprache oder Lebensweise. Ob politische Überzeugung oder unterschiedliche Freizeitgestaltung: Alles keine Kriterien, die sicher vorhersagen können, daß sich zwei Menschen nicht ineinander verlieben können. 
Eine Prognose gaukeln insoweit auch nur die Eheanbahnungsinstitute vor.

Die versprechen allerdings auch keine Liebe. Sondern nur eine Ehe oder eine Partnerschaft. 

Liebe aber fragt nicht nach gemeinsamen Kriterien. Auch ist die Vorhersage, daß man einen bestimmten Typ als Mensch bevorzugt, trügerisch. Wer hat nicht schon bei der Wahl eines guten Freundes, dessen Beuteschema man zu kennen glaubte, gestaunt, wie gegen das vermeintliche Idealbild der oder die Neue sich als völlig anders als die bisherige Reihe an Fehlschlägen herausstellte.
Und lange gut ging.

Entgegen allen Unkenrufen der Zeitgenossen.

Und hat man nicht auch schon so manchen Bekannten aus der Liste der unbedingt immer einzuladenden gestrichen, weil man mit der neuen Flamme so gar nicht warm werden konnte? Das junge Paar aber ist glücklich.
Und keiner, weiß, warum.

Weil sich eben Liebe der rationalen Erklärung entzieht.

Die Welt ist nicht, wie man behauptet, sie zu sehen und auch vorausberechnen zu können. Weil wir alle vielleicht auch viel zu wenig Ahnung haben, welche Kriterien wir dazu heranziehen müßten. Die Liebe schwebt wie eine undurchsichtige Kristallkugel über den Dingen und erinnert uns, daß nicht alles sich in Bilanzen und Zahlenkolonnen und festen Kriterien ausdrücken läßt.

Gott sei Dank. 
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