Kreativ zu sein ist nicht erzwingbar, allerdings kann ein Faß ohne Boden auch nicht mutwillig versiegen. Wer Ideen hat zu jeder Zeit, der muß im Grunde nicht bange sein, daß sie ihm irgendwann ausgehen. Zwar muß man sich zuweilen einer gewissen Routine aussetzen, etwa eine bestimmte meditative Tätigkeit ausführen, um den Kopf frei zu haben für die Einfälle, die sich nur einstellen, wenn man sich nicht ablenken läßt. Aber auf Knopfdruck kommen sie nicht, weswegen punktgenaues Abliefern von Ideen meist zum Scheitern verurteilt ist. Maßnahmen wie das viel beschworene "Brainstorming" sind unnütze Zeitverschwendung.
Denn was einem nicht alleine einfällt, fällt einem nicht nur deshalb ein, weil man zu mehreren vor sich hin ins Unreine denkt.

Kreativität ist im Grunde ein einsame Sache. 

Teamspieler können aus Ideen vielleicht mehr machen. Aber haben muß man die Geistesblitze schon erst einmal. Und niemand kann vorhersagen, wo so ein Blitz das nächste Mal einschlägt.
Und vor allem nicht, wann. 

Ideen zu haben allein ist aber noch nicht unbedingt eine Frage der Kreativität. So mag man als Programmierer von Computersoftware durchaus etwas schaffen, kreativ ist das aber nicht unbedingt. Man kann auch Bedienungsanleitungen herstellen, wird dadurch aber noch lange nicht zum Kreativen. Auch eine Steuererklärung will erst einmal erstellt werden, deutlicher kann man nicht machen, daß die Herstellung von etwas noch nichts mit Kreativität zu tun hat.

Kreativ voller Schaffenskraft ist man oder ist man nicht.
Aber Kreativität widersetzt sich grundsätzlich jeder Katalogisierung.

Wenn man seine Schaffenskraft in ein Schema pressen kann, ist es bloße Herstellung, aber nicht kreativ. Einfälle folgen der Intuition, können weder willkürlich hervorgerufen werden, noch auf Abruf quasi bestellt werden. Der Kreative weiß meist selbst nicht, wie er genau auf eine Eingebung kam. Er kann vielleicht die Situation beschreiben, in der er den Einfall hatte. Auch kann er sagen, was ihn möglicherweise assoziativ auf eine Idee brachte. Allerdings hatten alle anderen nicht diese Idee, mögen sie auch im Augenblick des Einfalls die Situation miterlebt haben. Sie haben dennoch nicht aus der Situation denselben Schluß gezogen und dieselbe Idee gehabt. 

Kreativität ist eine Fähigkeit, keine Frage der Arbeitsweise.

Fähigkeiten kann man zwar entwickeln und pflegen. Ohne Talent hierzu aber wird man sie nicht ausreichend entwickeln können. Auch hat man keinen Einfluß darauf, sie zu verlieren. Wer ideenreich ist, wird es immer bleiben. Man kann nur seine Ideen nicht in die Tat umsetzen und verkümmern lassen. Auch kann man den Eindruck haben, daß, wenn sich ein brillanter Einfall nicht zum gewünschten Zeitpunkt einstellt, der Ideenreichtum würde abflachen.
Das gibt sich aber schnell wieder, wenn man wieder Ideen hat zu einem Zeitpunkt, in dem man sie vielleicht nicht erwartet.

Grundsätzlich kann man als Kreativer nicht unkreativ sein, nur nicht zu jedem gewünschten Zeitpunkt ideenreich sein.
Eine gute Idee zur falschen Zeit oder eine Zeit ohne Idee hat insoweit nichts zu bedeuten.

Auch, wenn man Schlimmes befürchtet angesichts einer kreativen Durststrecke.

 
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