Was man sich gerne einander wünscht (interessanterweise neuerdings aber nicht mehr beim Niesen), wenn einem sonst nichts Besseres einfallen will, das man sich aber glücklich schätzen sollte, es zu haben, ist die Gesundheit. Oft mißachtet, wenn sich der Körper nicht bemerkbar macht, aber bitter bejammert, wenn er mal schlapp macht.
Selbstverständlich, wenn man sie als solche nicht wahrnimmt.

Aber plötzlich die Welt, wenn die geschundene Physis sich irgendwann beklagt.

Viele tun auch alles dafür, daß die Gesundheit kein Dauerzustand wird. Wer sich wenig bewegt, falsch ernährt und sich nicht um seinen Körper kümmert (höchstens kosmetisch an der Oberfläche), der sollte sich nicht wundern, wenn er sich nicht so wohl fühlt, als hätte er viel Sport getrieben und auf seine Ernährung achtgegeben. 
Irgendwann rächt sich alles.

Dick sein ist auch nicht schick, sondern Zeugnis eines unverantwortlichen Umgangs mit sich selbst.

Bitte nicht mit Churchill argumentieren: Dieser Staatsmann war in jungen Jahren ein begeisterter Sportler, boxte, focht und spielte Polo auf hohem Niveau.
Ansonsten wäre er auch nicht so alt geworden.

Zudem: Nicht allein das Alter, in dem man stirbt, ist entscheidend, sondern auch, wie man sich auf dem Weg dahin fühlt.

Dennoch wird auf eine Art Gesundheit noch weit weniger geachtet als auf die körperliche: Die geistige. Um das Innenleben kümmert sich die große Masse noch viel weniger als um die immer größer werdende Masse des Fleisches. In sich hineinzuschauen ist noch weniger angesehen als auf sich zu schauen.
Denn das Innere sieht man ohnehin nicht.

Und daher auch die anderen nicht.

Bis es sich dann bemerkbar macht. Bis man durch all den Streß ausbrennt oder durch all die Kränkungen nichts mehr auf die Reihe bekommt. Bis man die Wirklichkeit nicht mehr wirklich wahrnimmt und einen ungekannte Ängste in Schach halten. 
Aber das kann mir nicht passieren.

Denkste. So mancher steht einem psychischen Zusammenbruch viel näher, als er wahrhaben möchte.

Da will plötzlich die Seele nicht mehr, wozu sie doch immer zu bringen war. Da werden einfachste, alltägliche Verrichtungen zu einem Kampf. Das kann man am Anfang noch eine Weile überspielen oder unter der Decke halten. Aber irgendwann wird der Leidensdruck so hoch, daß man seine innere Befindlichkeit auch und vor allem vor sich selbst nicht mehr geheimhalten kann.
Auch Selbstbetrug wirkt nicht für immer.

Man kann alle anderen für eine Weile belügen, aber nicht sich selbst für die Ewigkeit.

So sollte man sich durchaus überlegen, ob man sich all dem Druck ständig aussetzen muß, ob man wirklich auf jeder Hochzeit tanzen muß, ob man sich beruflich in jeden Vorgang derart versteigen muß, als würde das eigene Heil davon abhängen.
Es hängt auf die Dauer auch davon ab: Das Seelenheil.

Ob man den Dingen nicht manchmal auch ihren Lauf lassen sollte, sich nicht für alles und jeden engagieren sollte, sondern auch mal etwas gut sein lassen sollte, ob man sich wirklich in allem, was man tun, derart ereifern sollte, daß man in Gedanken auch nachts nicht mehr davon loskommt und niemals abschalten kann.
Sich allzu sehr vereinnahmen  zu lassen, steht der eigenen Freiheit im Wege.

Einzusehen, daß sich die Welt auch ohne dein Zutun weiterdrehen wird, ist tiefgreifend erschreckend. Aber heilsam. Was spricht auch dagegen, einmal etwas nicht zu tun, vielleicht sogar eine Weile gar nichts zu tun? Auf der Terasse zu liegen, zu beobachten, wie das frische Grün im Wind wogt und es Blüten aus den Zierkirschen regnet? Zu hören, wie die Vögel sich Partner ersingen und dabei Frische zu atmen?
Wenn's doch gut tut, um so besser.

Gesundheit kann so schön sein.
Und muß nicht viel kosten.
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