In jedem ist ein kleiner Hobbypsychologe versteckt, auch in dem Zeitgenossen, der unlängst diesen verdeckten Vorwurf verneinte mit dem Argument: "Ich bin schon keiner wegen meiner schweren Kindheit." Oftmals ist das nur eine kleine Marotte, sich der Probleme seiner Mitmenschen mit ein paar selbstgestrickten Überlegungen zu deren Seelen anzunehmen.
Es kann sich aber auch zu einer Manie auswachsen.

Wenn man jeden Zeitgenossen auf seine selbstgezimmerte Beratercouch zwingt.

Fast jeder hat ein gewisses Maß an psychologischem Halbwissen. Nicht jeder aber macht davon in jeder Situation Gebrauch. Leider gibt es hiervon aber auch unrühmliche Ausnahmen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein Füllhorn an möglichen Krankheiten über den armen Patienten ausschütten, der doch nur beiläufig erzählt hat, daß er es nicht schätzt, bei Spaziergängen von jedem Grundstück aus von Hunden angekläfft zu werden. Schon ist er aber in der Laien-Psychiater-Falle. Denn dahinter steckt ein tiefes Leiden, für das es auch ein griechisches Fremdwort gibt (das sich aber kein Mensch merken kann, der nicht mit seinen laienhaften Kenntnisse aus der Welt der Psychoanalyse prahlen will). Die Angst vor Hunden wird da schnell zu einer Angst vor Individuen und schließlich zu einer allgemeinen Kontaktarmut.
Es mag amüsieren, wieviel Angst man aus einer an sich harmlosen Begebenheit holen kann. 

Allerdings ist ärgerlich, wenn jemand das aus jeder Harmlosigkeit herausliest.

Wenn hinter einer kleinen Arbeitsunlust schon ein Burn-Out-Syndrom vermutet wird, wenn momentane Müdigkeit ein erstes Zeichen von Depression, wenn ein kleiner Ausflug in die Phantasie natürlich nur ein Zeichen akuter Schizophrenie sein kann. 
Allerdings gibt es ein einfaches Mittel, es dem Hobby-Seelenklempner heimzuzahlen.

Indem man schlicht seine Vorliebe für Analyse seinerseits analysiert.

Einleitend mit dem Satz: "Sie haben sicher eine schwere Kindheit gehabt?", kann man sich zur Diagnose "Kontrollzwang" weiterarbeiten. Weil der Zwang, Andere ständig zu pychologisieren, nur aus einer tiefsitzenden Angst rühren kann, sich schuldig zu fühlen, weil man in frühester Kindheit bei deutlichen Warnzeichen einer Krankheit nicht reagiert und geholfen hat. Hat der Hobby-Psychologe einen nahen Verwandten, der unter einer psychische Krankheit leidet oder litt? Oder eine ihm nahestehende Person? Eine unerfüllte Liebe? 
Sicher, denn das hat fast jeder.

Zur Not sitzt das Schuldgefühl so tief, daß er das "jetzt nicht zugeben kann".

Wenn man Glück hat, springen die Umstehenden auch auf den Zug auf, denn wer wäre bei soviel geballtem Seelenstriptease nicht verärgert über einen selbsternannten Freudianer? 
Ein Partyspiel für die ganze Familie.

Und auch im Freundeskreis ein Brüller.

Allerdings ein kleiner Tip: Weiten Sie das Spiel nicht auf sonstige Anwesende aus, mag es auch so viel Spaß bereiten wie kaum etwas.
Sie wollen doch nicht als Hobby-Psychologe verschrieen werden? 
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