Was waren das doch früher, als man noch Schüler war, für wunderbare Tage, als man Ferien hatte. Besonders zu Beginn der Ferien, gerade zwischen zwei Schulklassen, hatte man das Gefühl, jetzt hätte man ewig frei. Das Zeitempfinden war noch nicht so entwickelt, man konnte sich schon in einem Nachmittag der Unendlichkeit verlieren; umso mehr in sechs Wochen, in denen man nichts tun mußte, was man nicht unbedingt wollte. 
Soviele Ferien später ist dann alles vorbei.
 
Alles in allem hatte ich in meinem Leben 162 Wochen Ferien, das sind weit über drei Jahre.

Ein Wunder, daß ich überhaupt noch Schule hatte. Obwohl, 10 Jahre sind ja übrig geblieben, in denen man so manchen Vormittag auf die Pausenglocke gewartet hat. Ach ja, Pausen gab es ja auch noch, fast eine Stunde am Tag, also 190 Stunden im Jahr, 2470 Stunden während meiner Schulzeit. Das summiert sich und klingt, als wäre man im Grunde zwischen Pausen und Ferien niemals in einer Schulstunde - die ja auch nur 45 Minuten dauert - gesessen. 
Ein Milchmädchenrechnung, denn selbstverständlich hat man so manche Schulstunde mit Dingen verbracht, die einen mal mehr, oft weniger interessiert haben.

Von Unterrichtsausfall und Krankheitsstunden gar nicht zu reden. Hinzu kommt noch die Verkürzung des Gymnasiums um ein ganzes Jahr.

Ist das der Grund für das schlechte Abschneiden der deutschen Schulen bei der PISA-Studie? Weil sie zu oft Pausen, Ferien und Ausfall haben? Oder hat es andere Gründe?

Was vor allem auffällt: Wie man schon darüber nachdenkt, den Unterricht zu intensivieren. Durch mehr Hausaufgaben auch die Freizeit in das Lernen einzubeziehen (eine Taktik, die zum Teil schon in die Praxis umgesetzt wurde), Ferienkurse und auch Wiedereinführung des Unterrichts an Samstagen.
Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Und das ist es, was gerade auffällt: Es wird darüber nachgedacht. Anstatt zu sehen, daß es sich um Kinder handelt, die auch Spieltrieb haben, wird ihnen mehr und mehr bewußt gemacht, daß sie sich mehr anstrengen müssen. Und das immer früher. Während früher die Planung, was man mit seinem Leben anfangen soll, erst gegen Ende der Schulzeit begann, werden nun schon Viertklässler auf das Leben nach der Schule eingeschworen. Sicher will man das Beste für sein Kind, aber muß man es deshalb seiner Kindheit berauben? 

Der Unschuld, Schulferien als Ewigkeit anzusehen, wo sie nur sich gehören? 

Es wird den Kindern heutzutage vor allem Angst vor der Zukunft eingeimpft, wo sie als Kinder noch nicht einmal so etwas wie ein Gefühl für die Zukunft haben dürften, sondern die Gegenwart erkunden und lieb gewinnen sollten. Kind zu sein bedeutet auch, sich von dem Unbill der Welt abschotten zu dürfen, um Kraft und Erfahrung zu tanken für das Leben als Erwachsener, unbelastet von Ängsten um die eigene Existenz. Das Bewußtsein für die Eigenverantwortung entwickelt sich schon, wenn man es nur läßt und nicht Kindern zumutet, Entscheidungen vorauszusehen, deren Tragweite sie aufgrund ihres Alters niemals überblicken können.

Vielleicht würden Kinder lieber lernen, wenn man sie weniger dazu zwingen würde. Denn Neugier auf Wissen ist ein besserer Lehrmeister als äußerer Zwang. Das heißt nicht, daß man zur antiautoritären Erziehung zurückkehren sollte. Aber Kinder kindgerecht Kind sein zu lassen und nicht die Ängste, die im Grunde Ängste der Erwachsenen sind, auf sie zu projektieren und ihnen einzureden, die Befürchtungen, was die Zukunft anbelangt, seien ureigene Befürchtungen der Kinder selbst.
Ein Zehnjähriger hat noch sehr naive Vorstellungen von der Welt und somit sind auch Pläne für die eigene Zukunft im Grunde noch wenig realistisch.

Vielleicht würde man mehr erreichen, auch für das Kind, wenn man es auch ein wenig dem freien Spiel der Kräfte überließe, wohin die Richtung geht. Sie nicht in den Ferien mit Nachhilfe zu überfordern, sie außerhalb der Schule nicht ständig an die Schule zu erinnern und auch sich selbst nicht ständig unter Druck zu setzen, man hätte versagt, wenn man sein Kind nicht zumindest auf das Gymnasium schicken darf, das wäre ein erster Schritt in eine angstfreie Zukunft, in der sich möglicherweise mehr von selbst regelt, als man es zwingen kann.

Wer kennt schon das Schicksal und was es mit uns vorhat.

Dann können Kinder am ersten Ferientag wieder in ein Universum aus Freizeit eintauchen und Kraft tanken für die Schule. Denn Kinder wollen ja auch selbst groß werden, dazulernen und schauen dazu auch auf das Beispiel der Eltern. Wenn diese entspannt in der Gegenwart auf die Zukunft schauen, lernen Kinder, daß man vor dem Danach keine Angst haben muß und haben auch keine.
Dann fügt sich so manches stessfrei und zwar für beide Seiten.

Denn, seien wir ehrlich: Man kann nicht alles erreichen. Mit zuviel Wucht kann man auch das Gegenteil dessen erreichen, was man anpeilt. Kinder werden oft zum Gegenteil dessen, was man sich erhofft.
Und erst recht, wenn sie Zwang spüren, denn dann werden sie bockig.

Und freiwillig und aus Einsicht kann man mehr erreichen.
Zumindest kann man darauf hoffen.
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