Das Signifikante an Feiertagen ist, daß man an ihnen zuweilen gar nicht feiern darf, zumindest, wenn man unter "Feiern" wilde, animalische  Parties versteht. Denn der Gesetzgeber verordnet an solchen Tagen, vor allem an christlichen, vor allem eines: Ruhe. Die Begeisterung für diese erste Bürgerpflicht wird aber nicht von allen Bürgern geteilt. So mancher möchte gerne das Tanzbein in Schwingungen versetzen, wenn er schon nicht in die Arbeit gehen muß, darf aber nicht (tanzen, nicht arbeiten). Selbst wenn man sonst nie tanzt, so manchen Feiertagsmüden würde es gefallen, gerade am Feiertag einmal rhytmische Sportgymnastik zu lauter Musik versuchen.
Pech, denn es herrscht Tanzverbot.
 
Warum eigentlich?

In Deutschland rühmen wir uns doch der Religionsfreiheit, womit grundgesetzlich festgeschrieben ist, daß man glauben kann, aber nicht muß. Und als Atheist sollte es doch möglich sein, seine Freizeit nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Und wer aus religiösen Gründen nicht tanzen will, weil vor Jahrtausenden Gottes Sohn gekreuzigt wurde (übrigens nicht auf den Tag genau), dann steht es einem doch frei, nicht an Tanzveranstaltungen teilzunehmen. Aber christliche Menschen können doch nicht für sich in Anspruch nehmen, daß auch alle anderen Zeitgenossen nicht tanzen dürfen. 
Zumindest, wenn es bei der Ausübung des Glaubens nicht stört.

Discotheken neben Kirchen gibt es allerdings nicht allzu zahlreich. 

Schießt hier der Gesetzgeber nicht ein wenig über das christliche Ziel hinaus? Wobei auch auffällt, daß lediglich christliche Feiertage solche sind, nicht etwa mosaische oder islamische Feste, die im deutschen Kalender nicht weiter auffallen. Wobei man sich diesbezüglich verständlicherweise zurückhalten muß: Würden alle Feiertage auch nur der großen Weltreligionen berücksichtigt, die Wirtschaft würde wohl erlahmen in einem Meer von Feiertagen.
Und für die verbleibenden Arbeitstage fände sich schnell ein Religionsstifter, der die Lücken an Feiertagen schon füllen würde.

Notfalls würde er diese vor dem Bundesverfassungsgericht einklagen.

Dennoch zwingen die Christen die Nichtchristen an den kirchlichen Feiertagen zum Nichtstun. Von den Polizeibeamten, Gastronomen, Krankenhausbeschäftigten, Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsbetriebe, kirchlichen Würdenträgern (ja, auch diese arbeiten an Feiertagen) und Selbständigen (Aufzählung bei weitem nicht vollständig) einmal abgesehen. Müßten die, die nicht glauben, nicht auf den Feiertag verzichten, tagsüber arbeiten und dürften dafür abends noch ein wenig tanzen? Allerdings wäre das ein mittelbarer Druck auf Ungläubige, sich den Kirchen anzuschließen und verstieße gegen die staatliche Neutralitätspflicht. Auch würden dann die Atheisten und Andersgläubige für die deutschen Christen arbeiten oder zumindest mitarbeiten.

Und das erscheint auch nicht unbedingt gerecht.

So verbleibt es wohl dabei: Man muß an Feiertagen sein juckendes Tanzbein ein wenig ruhigstellen, während andernorts prozessiert wird (will sagen: Prozessionen durchgeführt werden). Denn gegen die Feiertage als religiös diskriminierend zu prozessieren, dürfte wenig zielführend sein. Kaum zu erwarten, daß man sich in Karlsruhe gegen die Kirche stellt. Zwar wurde es untersagt, in deutschen Klassenzimmern ein Kreuz aufzuhängen. 
Aber mehr ist wohl nicht drin für die hartgesottenen Agnostiker.

Alles andere wäre ein Tanz um das goldene Kalb: Schön anzuschauen, aber bald kommt so ein alter Mann und präsentiert ein paar Gebote mehr. Also nicht verzagen, es könnte schlimmer kommen.
In Zeiten wie diesen könnten Hardcore-Christen mit guter Lobby darauf kommen, die Bürger zu verpflichten, an Feiertagen gegen die Krise anzubeten (andere erfolgversprechende Rezepte sind wohl auch nicht in Sicht).
In muslimischen Ländern ist das zum Teil Alltag.

Da sind wir in der neutralen Zone dann doch besser dran.

Und wer weiß: Vielleicht ist das alles mit Gottes Sohn und seiner Wiederauferstehung doch gar kein Ammenmärchen? Wäre auch gar nicht so schlecht zu wissen, daß es einen Gott wirklich gibt.
Dafür lohnt es sich auch ein paar Tage im Jahr, mal nicht die Puppen tanzen zu lassen. 

In diesem Sinne: Frohe Ostern. 
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