So mancher meint, die Europäische Union sei in allererster Linie gegründet worden, um den allgemeinen Wohlstand zu sichern. So sei es denn unverständlich, daß so arme Länder wie Rumänien oder auch Portugal die Finanzkasse unnötig belasten. Allerdings ist diese Annahme falsch: Grund für den Zusammenschluß der europäischen Kernländer war zunächst die Friedenssicherung. Man wollte nach den Erfahrungen insbesondere des Zweiten Weltkrieges eine Zusammenarbeit initiieren, die tunlichst Kriege zwischen europäischen Ländern verhindert. So verband man sich zu einem Dachverband, der insbesondere England und Frankreich auf der einen und Deutschland auf der anderen Seite näher zusammenrücken ließ.
Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen: Aber noch vor 60 Jahren betrachteten sich Franzosen und Deutsche als "Erbfeinde".
 
Der Hass auf alles Frankophile war gewissermaßen ein Erbe unserer Vorväter.

Daß sich das heute grundlegend geändert hat, ist auch ein Verdienst der EU. Man fühlt sich als Einheit, hat gute Beziehungen zueinander und pflegt selbstverständlich regen Kontakt. Das hat sich nicht zuletzt auch auf den Wohlstand ausgewirkt, die Außenhandelsbilanz Deutschlands ist weltmeisterlich. Und das verdankt es einem nunmehr ebenfalls rekordverdächtigen Frieden mit seinen Nachbarn.
Wirtschaftlich gesehen ist die EU jedenfalls ein Erfolg.

Niemand, der die Fakten kennt, wird das vernünftigerweise leugnen können.

Und so hat man sich nach und nach noch einige Länder ins europäische Boot geholt, die die EU zu einer Wirtschaftsmacht gemacht haben, insbesondere in Abgrenzung zu den Märkten in den USA und Asien. Auch hat die gemeinsame Währung, der Euro, sich in Krisenzeiten recht gut gegen den Dollar aus dem Ursprungsland der Bankenkrise behauptet.
Behaupten jedenfalls die Experten, die sich dem Jammern nach der guten, alten Mark nicht anschließen.

Damals war eben alles besser, vom Krieg einmal abgesehen.

Ein Thema ist allerdings stark in der Diskussion: Ob man auch die Türkei mit in die EU holen sollte. Nun ist die Türkei mehrheitlich kein europäisches Land; es liegt zu 97% auf der asiatischen Platte. Was aber kein allzu starkes Argument ist, wenn man darauf hinweisen darf, daß, wie unlängst zu bemerken war, etwa Italien zu einem nicht unerheblichen Teil auf der afrikanischen Kontinentalplatte liegt.
Und dennoch unbestreitbar europäisch ist.

Auch der Verweis auf die Verletzung der Menschenrechte schlösse Italien mit seiner skurrilen Regierung und seinem Mafiaproblem eher von einer Mitgliedschaft aus. Arm sind, wie bereits erwähnt, Länder wie Rumänien und Portugal auch und der Status der Frau ist rund um das Mittelmeer eher mittelalterlich, was man kaum übersehen darf.
Alles keine starken Argumente gegen die Türkei als Mitgliedsland.

Letztlich sind all diese Gründe vorgeschoben, denn, im Ernst: Wer kümmert sich denn in Wahrheit um die Menschenrechtssituation in der Türkei, die einem bei einem Urlaub in diesem Land auch nicht allzu sehr aufstößt. Vielmehr befürchtet man einen Zusammenbruch der deutschen Sozialsysteme, wobei diese trotz Rumänien und Portugal auch jetzt noch nicht zusammengebrochen sind. Auch ist nicht zu prognostizieren, daß ein Großteil der türkischen Bevölkerung ihr Heimatland verläßt; auch dort liebt man seine Herkunft.
Wer weiß, wenn man dort durch Beitritt zur EU Wohlstand schafft, ob dann nicht einige Wirtschaftsflüchtlinge gar in ihr Herkunftsland zurückkehren.

Sicher schwingt auch ein gewisses Unbehagen angesichts der überwiegend muslimischen Gesellschaft in der Türkei mit. Wobei wir in Deutschland Religionsfreiheit haben und die Ausübung auch der türkischen Mitbürger in Deutschland nicht wirklich auf- und ins Gewicht fällt. Kopftücher tragen traditionell auch deutsche Bauersfrauen, woran sich nicht wirklich jemand stören kann. Selbstverständlich sollten alle Menschen, die hier dauerhaft wohnen, deutsch sprechen können. Daß türkische Touristen dies nicht ohne weiteres können, unterscheidet sie nicht von holländischen, englischen oder französischen Besuchern.
Zudem würde die Türkei auch das Tor zu Asien weit aufstoßen.

Es ist vielleicht ein wenig die Exotik, an der man sich reibt, wobei dieselbe Exotik die große Masse weder in der Popmusik, noch im Film stört. Nur im wahren Leben, da hätte man es gerne ein wenig deutscher. Wenn man mal von Pizza, Cola, Döner, Jeans, Hamburger mit Pommes Frittes und derlei Außergewöhnlichkeiten absieht.
Aber türkisch sollte es nur in der Türkei zugehen.

Was sollte sich daran ändern, nur weil die Türkei in die EU aufgenommen würde?
 
Zurück zu Home