Kaum etwas ist so allumfassend und allgegenwärtig wie das Desinteresse der Menschen. Nun kann man aber nachvollziehen, wenn sich Leute nicht für gerade das interessieren, was Dich bewegt, weil sie mit etwas anderem gedanklich beschäftigt sind.
Es gibt aber zuhauf Zeitgenossen, die sich mit überhaupt nullkommagarnix beschäftigen.
 
Vor allem nicht gedanklich.

Dabei hat man es mit einem gewissen Grundinteresse leichter im Leben. Denn man lernt quasi en passent dazu, ohne sich groß anzustrengen. Das fängt schon in der Schule an, wo bloße Teilnahme am Unterricht - im Gegensatz zur bloßen, körperlichen Anwesenheit - schon die halbe Miete ist. Jedenfalls eine halbe Miete mehr gegenüber jenen, die nicht einmal diese halbe Miete in ihrem Gedächtnis buchen. Und das liegt nicht nur an der modernen Spaßgesellschaft, deren Postulat allein der Vergnügungsfaktor ist bei allem, was man tut. Nein, das allgemeine Desinteresse ist älteren     Datums und hat Tradition, wird vom Vater auf den Sohn und von der Mutter auf die Tochter vererbt. Keiner braucht sich auch hinter seiner - oder seiner fehlenden - Schulbildung zu verstecken, dazulernen kann man jeden Tag. Und man sollte auch jede sich bietende Chance nutzen, die einem das Schicksal bietet. 
Wobei dazulernen durchaus Freude macht.

Wenn man eben interessiert daran ist, Neues zu erfahren.

Aber die Neugier auf etwas, was man möglicherweise nicht unmittelbar zum Überleben brauchen könnte, hält sich zum Teil in sehr überschaubaren Grenzen. Merkwürdig, wo es doch kaum etwas da draußen in der großen Welt gibt, das nicht von Interesse wäre. Ist die Welt nicht spannend, mit all ihren Tieren und Pflanzen, mit den Naturphänomen, mit dem Gang der Sterne, mit all den großen und kleinen Kunstwerken bedeutender und weniger bedeutender Künstler, mit all den Erfindungen und Entdeckungen, politischen und zeitgeschichtlichen Entwicklungen, mit all den verschiedenen Mentalitäten der Völker und Volksgruppen?

Die Antwort so manchen Ignoranten lautet schlicht: Nein.

Und wenn das alles schon nicht von allgemeinem Interesse ist, dann doch wenigstens Wissen im Hinblick auf die eigenen Tätigkeiten. Wer etwa glaubt, ein Schreiner müsse nicht rechnen können oder ein Fräser brauche keine technischen Fertigkeiten, der irrt gewaltig. Auch der Installateur sollte in nachvollziehbarem Deutsch Rechnungen schreiben können, wie der Bäcker auch ein Auge auf Steuern haben sollte. Und ein Gastwirt sollte durchaus mehr können als Bier zapfen, eine Kalkulation des Gästevolumens und auch Interesse für das Umfeld seines Etablissements ist durchaus von Wert.
 
Und allen schaden weder Englischkenntnisse, noch, wie die Welt außerhalb des eigenen Dorfes aussieht. Sich ein wenig mit Altersvorsorge zu beschäftigen, Zeitung zu lesen und sich politisch auf dem Laufenden zu halten, um weder von einer braunen noch sonstwie extremen Strömung mitgerissen zu werden, steht allen Menschen gut.
Dennoch schaut so mancher kaum über seinen Tellerrand bis er sich wundert, daß keine Suppe mehr nachfließt.

Und er die Suppe auslöffeln muß, die er sich dadurch eingebrockt hat, daß er sich nur um seine eigenen Belange gekümmert hat.

Die Welt wandelt sich ständig. Und wie will man den Wandel begreifen, wenn man schon über den Status Quo herzlich wenig weiß? Wenn man sich schon keine Gedanken macht über das, was direkt vor der eigenen Haustür passiert. Geht mich doch nichts an, ich schaue lieber fern. Oder trinke mein Bier, was den anderen passiert, ist deren Bier. Ich bin bislang immer mit dem ausgekommen, was ich weiß, das wird auch noch weiterhin so sein.
Es ist noch immer gut gegangen.

Dann darf man sich aber auch nicht beschweren darüber, daß die bösen Politiker "mit einem machen, was sie wollen".

Wo man doch selbst im Grunde nichts will. Jedenfalls nichts wissen. Und wenn man nichts weiß, darf man hinterher nicht jammern, wenn andere aus ihrem Mehr an Wissen Kapital schlagen. Sich dann darüber zu beklagen, daß man nicht beschützt worden ist, hilft nichts: Denn von Deinem Wehklagen will, wenn jeder ist wie Du, keiner was wissen.
Warum auch.

Geht den anderen ja nichts an.

Und das geht nur solange gut, solange es allen gut geht. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, was eine gute Allgemeinbildung und Ausbildung wert sein kann.
   
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