Es fällt gerade jetzt, wo der Frühling so plötzlich an die Türen klopft, auf, daß im Garten viel Arbeit auf die stolzen Besitzer wartet. Da muß der Rasen vertikutiert, die Hecken gestutzt und überall die Spuren beseitigt werden, die der Winter hinterlassen hat. Überall um einen herum surren elektronische oder benzinmotorisierte Helfer, da knattern Häcksler und Rasenmäher, andernorts hört man sogar Motorsägen. 
 
Klingt so der Frühling?

Denkt man bei der schönsten Jahreszeit nicht eher an das Zwitschern von Vögeln?
Wie hätte Vivaldi wohl seinen Frühling aus den "Vier Jahreszeiten" komponiert, würde er heute leben? Wie imitiert man Kettensägen, mit den Posaunen, wenn man sie schmettern läßt? Kann man einen Häcksler mit den Pauken nachahmen? Und das Geräusch, das der Vertikutierer macht, wie läßt sich das nachmachen? Indem alle Geiger auf ihren Instrumenten mit den Fingernägeln trommeln?
Schöne Musik wäre das nicht.
Aber sehr realistisch.
 
Wie gemütlich war doch der Winter, man saß im Sessel, las oder malte etwas und trank süßen Tee. Man brauchte keine Ausrede, um mal faul nichts zu tun und konnte sich auch mal ausruhen, ohne sich angestrengt zu haben. Jetzt steht man verschwitzt inmitten von Gartenabfällen, die Unterarme verkratzt von diesen Dornen, die sogar Pflanzen haben, die eigentlich gar eine Dornen haben, die Kleidung über und über mit allem möglichen übersäht, vor allem Blütensamen und was weiß ich noch alles.
Warum läßt man nicht einfach alles wachsen, wenn Gott es offenbar so will?
  
Wenn Gott gewollt hätte, daß man den Rasen mäht, er hätte schon Adam im Paradies einen zur Seite gestellt.
 
Hat man schon einmal in der Bibel gelesen, daß irgend jemand Gartenarbeit verrichtete? Seht die Lilien auf dem Felde, wobei sie im Garten nicht vom Herrgott, sondern von mir gehegt werden müssen.
Allerdings schießt das Kraut in dasselbe, wenn man nicht einschreitet. Es dauerte nicht lange, und man kann sein kleines Reich gar nicht mehr betreten. Der Garten würde sich in einen Dschungel verwandeln, allerdings nicht so schön, nur so unzugänglich. Und deshalb muß man eingreifen, bevor man roden müßte.
Die Gartenarbeit dient dem Arbeitsgarten.
 
Wollte man den Garten nicht haben, um sich in ihm zu entspannen?

Entspannen? Warum hat man dann Rosen angelegt, hat sich einen Teich geleistet - ohne scheint es nicht mehr zu gehen - und ein paar Figuren aufgestellt, damit die grüne Oase italienischer wirkt. Kein Mensch hat einen darauf aufmerksam gemacht, daß man immer um die tonnenschweren Statuen herummähen muß, die Büschel ganz nah am Sockel muß man gar mit der Hand beseitigen. Und diese Trauerweide ist eher ein Trauerspiel, denn jedesmal, wenn man sich auch nur umdreht, sprießt ein neuer Ast irgendwohin, wo sich die Weidenruten mit den Bodendeckern verbünden. Überall findet man noch Laub vom Herbst, wobei es meist von den Nachbarn stammt - immerhin hat man sich doch bewußt keine Kastanie angeschafft. Und die Hecke des Nachbarn verkleinert ganz klammheimlich dein Grundstück, wenn du sie nicht ab und zu radikal zurechtstutzt.
Und dabei soll man entspannen?
 
Man ist schon froh, wenn der Muskelkater ab und zu nachläßt.

Immerhin muß man sich keine Gedanken machen, wie man seine Freizeit verbringt. Wo doch nachwächst, was man eben noch gerupft hat, während man sich der nächsten Herausforderung stellt. Auch muß die Terrasse grillfähig gemacht werden, die überwinterten Pflanzenkübel aus dem Keller geholt werden (Was? Obwohl man der Natur schon kaum Herr wird, stellt man noch weitere Platzverschwender in den kleinen Arbeitsgarten?) und ein bißchen frische Farbe täte so einigem auch nicht schlecht. 
Und dann muß alles auch noch gedüngt und gegossen werden.

Ich freue mich schon auf den Herbst. 
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