Wenn man mal von der despektierlichen Art absieht, in der frustrierte Männer über die Damenwelt sprechen, dann ist der Blick auch von vernünftigen Männern auf Frauen meist getrübt; getrübt durch die Subjektivität der eigenen Befindlichkeit. Wenngleich sich viele Gedankenspiele um das angeblich so schwache Geschlecht drehen, so ist auch eine Fernwirkung auf Taten zu sehen, die im ersten Augenblick nicht unmittelbar dem geschlechtsspezifisch Weiblichen dienen, aber in der Motivation doch durch eine Vertreterin des nicht immer, aber immer als solchem bezeichneten schönen Geschlechts ihren Anstoß gefunden haben.
"Cherchez la femme" nennt das der französische Volksmund und drückt aus, was es auch im Deutschen als Sprichwort gibt: Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau.

Dennoch würde kaum jemand den Verdienst großer Erfindungen oder Entdeckungen durch einen Mann einer Dame zuschreiben. Wenn man nach langer Suche gefunden hat, dann sucht man selbst den Ruhm, nicht die Frau dahinter. Die Frau mag Rückhalt geben, Grund, ihr vom Kuchen was abzugeben, ist sie in der Regel nicht.
Wer sucht, der findet. Nicht aber, wer die Idee zur Suche hatte.

Musen werden selten berühmt.

Dennoch gibt es kaum jemanden, auch nicht von hastig improvisierter Intelligenz, der so schlecht von Frauen spricht wie Frauen selbst. Man staunt immer wieder, wie weibliche Wesen über ihre Geschlechtsgenossinnen herziehen. Was man da zu hören bekommt, würde man über Damen nie zu äußern wagen, wenn man nicht betrunken, hemdsärmlich oder übermütig ist. Da fallen Sätze und Behauptungen, die für Frauen Grund genug wären, Männer an Ort und Stelle mindestens zu kreuzigen, würde solche ein männlicher Vollidiot öffentlich aussprechen.
Wenn zwei dasselbe tun, dann nur unter seinesgleichen.

Wie aber sehen Frauen Männer? Und ich spreche nicht vom weiblichen Pendent zum Proleten, ich spreche nicht von Stammtischgeschwätz oder Zynikerinnen. Ich spreche von Frauen, die durchaus differenziert über Dinge und Menschen denken, die durchaus nicht jedes Vorurteil für bare Münze halten; intelligente Frauen, die nicht aus Überdruß über schief gelaufene Beziehungen über alles herfallen, was männliche Attribute hergeben.
Die neben negativen auch positive Erfahrungen mit Männern gemacht haben.

Das soll ja auch vorkommen.

Zum einen fällt auf, welche Attribute von diesen überhaupt als "männlich" angesehen werden. 
Da ist der Zug, alles allein machen zu wollen, nicht einmal nach dem Weg zu fragen, geschweige denn Probleme mit anderen zu besprechen. 
Da ist der Zug, in allem einen Wettkampf zu sehen und andern immer imponieren zu wollen. 
Da ist der Zug, nicht treu sein zu können, wenn man etwas auf sich hält. 
Da ist der Zug, unglaublich wehleidig zu sein und aus jedem Zipperlein eine totbringende Krankheit zu machen.

Wobei: Wenn man das alles so liest, stellt man fest, daß die Frauen im Wege der Emanzipation durchaus aufgeholt haben. 

Die starke Frau, die völlig ohne fremde Hilfe ihre Frau steht, die allein Kinder aufzieht und dabei noch arbeiten geht und noch in der Gemeinde unentgeltlich mithilft, ist keine Seltenheit. 
Und im Kampf gegen alle und alles sind Frauen auch allzu oft ganz vorne mit dabei, wer weibliche Kollegen hat, der weiß, daß diese ihren männlichen Mitarbeitern nichts schenken. 
Und wozu die Leidenschaft für Kleidung, Schuhe und Schminke dienen soll als dazu, gut dazustehen und auf andere Eindruck zu machen, ist bei genauer Betrachtung auch offensichtlich; die altbekannte These, man mache das für sich selbst, ist fragwürdig, das könnte auch der alternde Mann behaupten, der sich einen roten Sportwagen und eine Lederjacke kauft. 
Wer keine untreuen Frauen kennt, der frage einen Mann nach ihnen. 
Und Tapferkeit bei Krankheiten ist keine weibliche Domäne, da mache man sich nichts vor, Wehleidigkeit gibt es auch und gerade unter Damen.
Es scheint, die Grenzen scheinen allmählich zu verwischen.

Oder verschwinden bei genauer Betrachtung nur die Klischees? 

Es mag Unterscheide geben in der Wahrnehmung von Details oder dem großen Ganzen, in sozialer Kompetenz oder künstlerischer Sichtweise. Immer aber gibt es auch Menschen, die Attribute aufweisen, die eigentlich dem anderen Geschlecht zugewiesen werden. 
Hier hilft man sich damit, daß es sich um eine "ziemlich männliche" Frau oder einen "sehr weiblichen" Mann handelt.
Warum eigentlich?

Muß man immer an seinen Vorurteilen festhalten, wenn sie sich nicht bewahrheiten?
 
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