Es heißt, das Bild des Mannes habe sich stark gewandelt. So mancher selbsternannte Experte spricht schon von einer Verunsicherung der Männer, zerrissen zwischen hartem Kerl und weichem Menschen. Die Emanzipation habe das Denkmal vom starken Geschlecht vom Sockel gerissen und es am Boden in Scherben liegen lassen. Soll man weiter Muskel spielen lassen zur Werbung, wie es auch die Werbung suggeriert? Oder soll man sich als Frauenversteher gerieren, wie es auch in der Werbung zu sehen ist?

Warum vertrete ich als Individuum immer alle hirnlosen Proleten, dumpfen Bierbauchträger und gockelhaften PS-Protze der Welt?
 
Es stellt sich die Frage, ob man den Mann als solchen in solch biedere Kategorien wie Biertrinker, Fußballliebhaber und Autowascher einteilen muß. Nicht alle Männer lieben Bier, von einer Quote von 100% können Fußballvereine nur träumen und wenn man die Straßen ansieht, fährt so mancher mit ausgesprochen ungewaschenen Exemplaren an Fahrzeugen in der Gegend herum. Klischees helfen da nicht wirklich weiter, denn den Mann gibt es wohl nicht.
Es handelt sich vielmehr um Individuen, die ihre eigenen Interessen haben.

Die sich für Sport, aber auch Schmetterlingszucht, für Weinanbau, aber auch Literatur interessieren. Die im Garten arbeiten, statt an der Wagenpolitur. Die Musikinstrumente spielen, Bilder malen und Opernarien auswendig können. Alles nur Ausnahmen?
Oder ist hier die Ausnahme die Regel?

Daß Frauen zuweilen so schlecht über Männer denken, liegt möglicherweise an einem Umstand, der sehr persönliche Ursachen hat. Mit kaum jemandem ist man so intensiv zusammen wie mit einem Partner. Und bis man den richtigen schließlich gefunden hat, kann es durchaus zu einigen Fehlversuchen kommen, wobei man durchaus auch an üble Gesellen geraten kann. Und über die wird dann insbesondere in der unmittelbaren Frustrationsphase  hergezogen. Aus dem einen, den man aktuell verreißt, werden da schnell Schlüsse gezogen, daß die anderen Männer auch nicht besser seien.
Beweis für diese These: Die bisherigen Freunde waren auch nicht besser, sonst hätte man sich ja nicht getrennt.

Allerdings ist der Mensch oftmals auf einen Typ festgelegt.

Böse Zungen behaupten, man fiele immer wieder auf denselben Typ herein. Der dieselben Attribute aufweist, nicht selten auch dieselben Fehler wie die Vorgänger. Daß diese Charakterzüge sich dann in einer Reihe von Partnern wiederholen, ist da durchaus nachvollziehbar. Aus Sicht der Verflossenen scheinen alle Männer, zumindest ihrer persönlichen Erfahrung zufolge, dieselben Nieten zu sein. Klar, wenn man sich immer dieselben Charaktere aussucht, geprägt durch welche tiefenpsychologischen Gründe auch immer.
Dann kann man auch leicht schimpfen über die Männer.

Mangels Gegenbeispielen scheint auch ein fehlerloses Mannsbild nicht in Sicht.

Würde da die Freundin, der gegenüber mit demoskopisch wenig aussagekräftig über die Männer geschimpft wird, nicht energisch widersprechen? Nein, man will ja seine Busenfreundin sich nur ausheulen lassen, auch hat man selbst ja ähnliche Erfahrungen hinter sich. Vielleicht ist man sogar aus Verzweiflung bei solch einer Niete geblieben, wo doch die Männer ohnehin alle gleich sind und es sich gar nicht lohnt, so einen Idioten zu verlassen. Wo doch der Nachfolger sicher wieder ein Reinfall wäre. 
Und so bündeln sich Erfahrungen, werden zu einem allgemeinen Männerbild, das den Mannsbildern nicht schmeichelt.

Und man nimmt auch nur noch männliche Vertreter als solche wahr, die diese Urteile bestätigen. Andersartige kriegt man vielleicht auch in seinem persönlichen Umfeld gar nicht erst zu Gesicht. Berühmte Beispiele männlicher Ausnahmen seiner persönlichen Sichtweise klammert man aus seinem Denken dann auch aus. Sie zählen nicht, jedenfalls nicht für die eigene Statistik. Und neuen Bekanntschaften werden möglicherweise diese Erfahrungen auch unbewußt untergeschoben.
So verfestigt sich ein allgemeines Männerbild, das gegen dieses Bollwerk an Meinungsbildung kaum eine Chance hat.

Aber keine Bange: Den Männern geht es mit den Frauen ebenso. 
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