In einer Zeit, in der es schick ist, alles vorschnell auszumustern und auf den Müll zu werfen, kann man sich auch einmal dem Bewahren der Dinge zuwenden. Die Wirtschaft ist selbstverständlich dafür, daß man nicht lange zaudert, wenn sich Ermüdungserscheinungen oder gar Defekte einstellen. Reparieren bringt weniger Rendite denn ein Neukauf.
Dabei ist es auch nicht unbedingt von gestern, auch einmal an die Umwelt zu denken.

Alles, was man weiter verwendet, verendet nicht unter Auflösung in seine Schadstoffe auf der Müllkippe.

Und außerdem kann man Geld sparen, wenn man nicht ständig seinen Bestand an Dingen austauscht (wobei das eher ein Argument für diejenigen ist, die es bezahlen, nicht immer für die, die es benutzen). Schließlich aber kann es auch eine Menge Mühe sparen, Neues nicht kompliziert zu installieren oder dessen Verwendung lange in einer schlecht übersetzten Bedienungsanleitung nachzulesen. Das gilt für neue Haushaltsgeräte wie für neue Software gleichermaßen: Bis man sie bedienen kann, hätte man mit dem alten schon längst so manche Aufgabe hinter sich gebracht. Von einer Fehlanwendung gar nicht zu reden: Wer weiß denn immer gleich sofort, wenn so ein Gegenstand nicht funktioniert, ob es an der Unfähigkeit liegt, mit ihm umzugehen.
Oder ob das teure Stück nicht vielleicht schon von Haus aus einen Fehler hat.

Da probiert man und probiert man und am Ende stellt sich heraus: Da hat ein müder Arbeiter in der Fabrik geschlampt oder auch ein noch müderer Ingenieur, als er das Mistding entwickelt hat.

Allerdings hat die langdauernde Verwendung von Geräten auch noch einen Aspekt, von dem selten die Rede ist: Einen emotionalen. Denn man entwickelt doch im Laufe der Zeit ein Gefühl für die Dinge, die einen umgeben. So ein unschuldiges elektronisches oder auch mechanisches Etwas fügt sich in die altbekannte Umgebung ein und verschmilzt mit ihr. Es wird gewissermaßen eins mit der Heimat, zumindest mit dem Heim. Die häuslichen Gerüche und Geräusche, sie alle summieren sich zusammen mit der Optik der Helfer zu dem, was das Zuhause ausmacht.

Wer hat nicht schon traurig auf die Scherben seiner Lieblingstasse geschaut: Wieder ein Stück heile Welt zerbrochen.

Meine Großeltern haben Zeit ihres Lebens an ihrer Einrichtung nichts geändert, brachen Wirtschaftskrisen oder auch Wohlstand über das Land aus, die Wohnung der Eltern meiner Eltern blieb ein stabiler Faktor in meinem jungen Leben. Wechselten bei uns zu Hause Möbel, Bilder und auch Küchengeräte mit den Jahren, blieben meine Omas ihren Lieblingen - wie uns Enkelkindern, die auch ihre Lieblinge waren - ohne Wenn und Aber treu. Mochte kommen, was da wollte, alle Moden, so schrecklich oder nützlich sie auch waren, wurden aus ihren vier Wänden verbannt. Ich habe das stets genossen, in eine gewohnte Atmosphäre zu kommen, an der sich die Dinge alle immer an ihrem Platz befanden und dort schon feste Eindrücke im Teppich oder an den Strukturtapeten hinterlassen hatten.
Das bieten wir heute unseren Kindern leider nicht mehr.

Denn da werden mitunter Einrichtungen ausgetauscht, da werden ganze Küchenzeilen in Form, Farbe und natürlich Funktionalität gewechselt, da wandert die alte Waschmaschine zum Altmetall, weil die neue was weiß ich für tolle Werte hat, was Wasser- und Stromverbrauch und Lautstärke beim Schleudern betrifft.
Aber den Wert der Beständigkeit verkörpern die Dinge heute alle nicht mehr.

Sie sind nur zeitweise Begleiter auf dem Lebenswege, wie die sogenannten Lebensabschittsgefährten auch. 

Sicher ist es sinnvoll, bei Kauf einer Neuerung auf grüne Technologie zu achten. So mancher Kühlschrank war früher in Wahrheit ein Heizkraftwerk und trieb die Mundwinkel der Stromproduzenten nach oben wie den Stromverbrauch. Auch ist es angenehm, wenn Staubsauger nicht mehr in den Ohren dröhnen und mehr Feinstaub in die Luft pusten als in Wahrheit zu sammeln. Aber das Geräusch des alten Krachmachers meiner Großeltern, genau wie das laute Summen des Kühlheizwerkes klingen mir noch in den Ohren und waren Teil einer Welt, die beständig schien und auch Halt gab.
Da war man sicher, da war man geborgen.

Welchen Halt werden wir unseren Kindern mitgeben?

Welche emotionalen Erinnerungen haben wir ihnen vermacht, wenn sie einst nach unserem Ableben unsere Wohnungen ausräumen? Nehmen sie die Dinge, die uns zuletzt umgeben haben,  mit Ehrfucht zur Hand, weil sie sich daran erinnern werden, wie wir damit gelebt haben und somit auch für sie ein Stück unserer Identität darstellen? Werden sie sich sogar das eine oder andere Möbelstück in die eigene Wohnung stellen, wie unsere Eltern es mit den so manchem Schätzchen ihrer Eltern gemacht haben? Oder werden sie mangels irgendeines Bezuges zu den Dingen, die unser Leben ausgemacht haben, den ganzen Plunder auf den Müll werfen, ist ja doch nur altes Zeug, das keiner braucht und haben will?
Das haben wir dann davon, daß wir uns allzu oft von Möbelkatalogen glänzende Neuerungen aufschwatzen ließen, die aber nicht für längeren Gebrauch gebaut sind. 

Die nicht mehr aus Vollholz gezimmert, sondern eher als  Übergangslösung bis zur nächsten provisorischen Einrichtung gedacht sind.

Die schon auseinander fallen, wenn man damit umzieht. Die nicht ein Leben lang halten sollen, sondern in der Konzeption schon den nächsten Kauf des dann verbesserten, aber noch kurzlebigeren Tinnefs vorbereiten. Und unsere Kinder nicht auf eine Welt vorbereiten, die von Dauer und Sicherheit geprägt ist.
Sondern von der Erkenntnis, daß alles Irdische nur Tand und dem Untergang geweiht.
Wehe, wenn man dann wieder lernen muß, daß man sich nicht alles leisten kann, was man haben möchte.

Dann muß man widerwillig mit etwas auskommen, was doch eigentlich schon längst auf der Halde verrotten sollte.
Nein, wir werfen eindeutig zu viel weg. 

Vielleicht lehrt uns die Krise, daß auch Beständigkeit von Wert sein kann, daß es nicht immer mehr und immer schneller sein muß. Und daß das Leben auch stattfinden kann, wenn man sich nicht dauernd erneuert, indem man die Dinge um sich herum ständig erneuert.

Möglicherweise trägt das zu unserer eigenen Erneuerung bei. 
Sich zu erneuern, indem man alles beim Alten läßt.
Das könnte angesichts der Krise in Mode kommen. 
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