Es ist wieder soweit: Die Natur erwacht, die Sonne wärmt und die Flora explodiert. Überall Blüten und wieder Menschen auf den Straßen. Die Straßencafes bevölkert, die Fenster offen, ebenso die Gedanken. 
Jedes Jahr das Gleiche im Zyklus der Jahreszeiten.
Wenn das doch nur bei den Menschen auch so wäre.

Im Lebenskreis des Menschen gibt es zumeist nur eine einzige Umdrehung, da tritt die Blütezeit genau einmal auf.
Wen überhaupt.

Allerdings kann man auf mehreren Gebieten aufblühen, nicht nur körperlich. Es ist nicht verboten (nur nicht allzu weit verbreitet), immer wieder etwas Neues anzufangen und zur Blüte zu bringen. Die eingetretenen Pfade verlassen, auch einmal etwas Althergebrachtes aufgeben und aufbrechen zu neuen Ufern. Wenn ich könnte, wie wollte - warum sollte man nicht können, wenn man sich nur wollen trauen würde?
Jeder schwärmt von seiner Blütezeit und vergißt dabei, daß er es selbst in der Hand hätte, doch eine solche noch selbst anzubahnen.

Frisch sich einen Jugendtraum erfüllen und hoffen, daß die Saat alsbald aufgeht. Lernen und wachsen und gedeihen lassen, dann treibt die Freude über das verwirklichte durchaus auch einmal Blüten. Was soll all der Jammer über den Trübsal des Lebens und die Eintönigkeit des Daseins, wo wir es alle doch in der Hand haben, das Beste daraus zu machen oder überhaupt erst etwas zu machen, was mit dem, was wir schon immer gemacht haben, nichts zu tun hat.
Nur, weil man etwas schon angefangen hat, muß man es nicht fortführen.

Wenn es dann nicht funktioniert, hat man es immerhin versucht.

Und Neues anzutesten gibt einem auch das Gefühl, daß doch noch nicht alles gelaufen und vorbei ist. Man gehört noch nicht zum alten Eisen, steht noch nicht auf dem Abstellkreis. Man ist noch zu etwas fähig und nicht nur dazu da, alles Gewohnte am Leben zu halten. 
Man muß niemanden und nichts am Leben halten außer sich selbst.

Von den Seinen einmal abgesehen.

Aber diese müssen halt mitziehen, wenn man frischen Wind in sein Leben läßt, andernfalls lernen sie von Kindesbeinen an, daß man tunlichst immer alles beim Alten lassen sollte. Bloß nichts anrühren, es könnte ja die Erfüllung sein. Und dann hätte es ein Ende mit dem Wehklagen, wie hart das Leben doch sei. Kontinuität ist gut, aber doch nicht der Kontinuität willen. Wer einen Zustand beibehält, nur, weil ihm nichts Besseres einfiele, der hat auch nichts Besseres verdient.
Der Frühling lehrt doch: Es gibt immer die Chance auf einen Neuanfang.

Herbst wird es noch früh genug.

Man fängt mit einem inneren Hausputz an und schmeißt den ganzen unnötigen Ballast ab. Dann orientiert man sich neu, lernt dazu und geht seinen Weg, nicht den, den die Anderen von einem erwarten. Wo doch rund um einen alles wächst und gedeiht, alles blüht und das bunte, pralle Leben auf befruchtende Gedanken wartet, da sollte man doch nicht zurückstecken und sich eingraben, weil man nicht mehr dazu gehört zu denen, denen die Welt gehört.
Wenn ich mich neu erfinde, kann ich nach wie vor die ganze Welt erobern. 

Und wenn nicht: Dann kann ich wenigstens wieder mir selbst gehören. 
Zurück zu Home