Wo man nicht so recht weiter weiß, da kann man sich zur Not immer noch durch einen mehr oder weniger sinnvollen Spruch aus der Affäre ziehen. Er geht leicht von den Lippen, rettet die Peinlichkeit der Situation, etwa so etwas wie Hilflosigkeit auszustrahlen und läßt einen als Strahlemann dastehen.
Alles im Griff, Frau, bin ich cool.

Wer Sprüche drauf hat, der hat es auch sonst drauf.

Was eigentlich? Im Laufe der Menschheit hat sich so einiges an Sprüchen angesammelt. Von einem ganzen Buch in der Bibel über die angestaubt moralischen Sinnsprüche des Kleinbürgertums bis hin zu den studentischen Wortspiel-Sprüchen der Neuzeit ist für jeden was dabei, für jede Situation, für jede Haltung. Man kann sich gesund halbgebildet zeigen durch Exzerpte aus literarischen Klassikern (Übrigens: Es heißt "Dem Mann kann geholfen werden", nicht: "Dem Manne"), man kann sich spießig-witzig (weil man auf einem Bein angeblich nicht stehen kann, eine These, die aber keinen Praxistest bestehen würde) geben, intellektuell-verballhorndend (allerdings mit sehr kurzer Halbwertszeit - ich denke, also bin ich hier falsch) oder auch sauertöpfisch-belehrend (Wer einmal lügt, dem glaubt man angeblich nicht, was ebenfalls in der Realität nicht zutrifft) . 
Immer aber passiert wenigstens eines: Man schmückt sich, und zwar mit fremden Federn.

Und versteckt sich hinter dem Gedankengut eines Anderen (gut, es mag ein Gedanke sein, aber der ist auch nicht immer gut, höchstens für einen Spruch gut).

Nicht immer paßt der Spruch auch auf die Situation. Menschen mit weniger umfangreichem Repertoire greifen allzu gerne auf Versatzstücke zurück, die etwas quer zur Fahrtrichtung angebracht werden. Was nicht paßt, wird dann auch nicht passend gemacht, weil man möglicherweise den Sinn des Sinnspruches selbst nicht so ganz verinnerlicht hat. Wie viele Zeitgenossen etwa zitieren das berühmte Nietzsche-Zitat "Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht" in der Annahme, daß damit ein eher gewalttätiges Verhältnis zu Frauen offenbart wird. Allerdings soll nach dem zitierten Philosophen die Rute zum Antreiben der Pferde dienen, damit man schneller bei den Damen ankommt, um sie nicht warten zu lassen (unglaublich, aber wahr, um auch hier einen Spruch anzubringen).
Die Zeit der Pferde glaubt man aber zurückgelassen zu haben, sie waren aber zu Friedrichs Zeiten noch allgegenwärtig.

Nur das All ist überall gegenwärtig, also all-gegenwärtig.

Nicht immer offenbart sich eine widerspruchsfreie Alltagsphilosophie. So stehen die vielbemühten Sprüche "Gegensätze ziehen sich an" und "Gleich und gleich gesellt sich gern" offensichtlich in einem diametralen Widerspruch, der offenbart, daß man zusammenfindet, egal, wie der andere auch sein mag. 
Dann behaupten manche: "Fragen kostet nichts", andere hingegen: "Wer viel fragt, der viel verliert". Man kann es im Bezug auf Fragen also nach dem Volksmund halten, wie man will. Denn der Volksmund plappert viel, wenn der Alltag lang ist.
Meine Mutter hatte einen Spruch für den Fall, daß ich im Haushalt half und etwas zu Bruch ging (was zugegeben ab und zu vorgekommen sein mag): "Mehr Mühe als die Sache wert ist". Wenn ihr aber etwas entzwei ging (auch das kam ab und an vor), dann hieß es: "Nur wer nichts macht, kann nichts kautt machen".
Aus diesem Teufelskreis kommst du als Kind unmöglich heraus.

Gefangen im Meer der Wider-Sprüche.

Und manchmal offenbaren Sinnsprüche auch Weltbilder, die man auch überwunden glaubte. So ist auch heutzutage noch unausrottbar in Poesiealben vom bescheidenen, sittsamen und reinen Veilchen zu lesen, dem man nachzueifern hätte. Nicht der Rose, die stolz ist und immer bewundert sein möchte. Aber wenn du deiner Frau zum Valentinstag keine Rosen kaufst, dann riskierst du höchstens ein Veilchen.
Nicht zu vergessen die lange Galerie der Trinksprüche, die Alkoholexzesse rechtfertigen und vorgaukeln, der Rauschzustand wäre Teil der einzig wunderbaren Lebensgestaltung. 

Hinter dümmlichen Sprüchen stecken selten kluge Menschen.

Glücklich der, der sich stets mit seinen eigenen Worten ausdrücken kann. Der der Hilfskrücke des Spruches nicht bedarf, weil er seinen eigenen Weg beschreibt und auch nicht darauf achtet, was andere von diesem halten könnten. Der zwar manchmal sein Zaudern und seine Hilfsbedürftigkeit transparent macht, der aber ehrliche Signale an seine Mitmenschen ausstrahlt. Der nicht eine Situation kurzfristig mit einem lockeren Spruch überspielt, damit aber ein Problem natürlich nicht löst. 
Eigene Gedanken zur eigenen Lebenssituation zu äußern, kann aber schon der erste Schritt zu einer Lösung sein.

Denn, wie heißt es so schön: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Huch, ein Spruch. Noch so'n Spruch: Kieferbruch. Reden ist Schweigen, Silber ist Gold. Es ist nicht alles glänzendes Silber, was schweigt. Also sprach Zarathustra (wieso sprach er "also"?). Alles hat ein Ende, nur zwei Bücher haben zwei. Wer sich nicht lehrt, leert verkehrt.
Und so weiter.

Und: Sofort. 
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