Es zeigt sich gerade jetzt bei der Zeitumstellung: Es gibt Unmengen von Menschen, die morgens nicht aus dem Bett kommen. Oder nur schwer. Sie sind nicht gemacht für eine Welt, die nach der Uhr lebt. Diese geht ihnen gehörig auf den Wecker, jedenfalls zu früher Stunde. Aber es hilft nichts: Die moderne Zivilisation verlangt vor allem eines von den Menschen: Zu funktionieren. Rund um die Uhr.
Und das auch morgens.

Der Tag beginnt früh und da muß man dabei sein.

Maschinen wollen in drei Schichten bedient werden, Brot und Spiele wollen verkauft werden und schon am Frühstückstisch will in jedem Hause die Zeitung davon künden, was wieder alles passiert ist in der Welt, die sich nie auszuruhen scheint. Da muß jemand die Frühschicht zu nachtschlafender Zeit stemmen, da müssen Teigwaren kurz nach Mitternacht schon in den Backofen geschoben werden, da müssen Bündel Papier durch Druckmaschinen und dann durch die Stadt gejagt werden, um taufrisch neben noch nicht so ganz taufrischen Morgenmuffeln zu liegen. 
Ein Spätaufsteher kann da ungehörig Sand ins Getriebe streuen, den er sich noch aus den Augenwinkeln reibt.  

Dieses vermaledeite Sandmännchen aber auch.

Wer hat das bloß angeordnet, daß man im Winter noch im Mondlicht aus dem Haus schlurfen muß, während das Bett gemütlich und noch warm völlig allein im Dunklen zurückbleibt? Heißt es nicht: Wer schläft, sündigt nicht? Wieso also hinaus in die Welt voller Sünde ziehen, wo man doch noch sanft schlummern könnte in weichen, unschuldig weißen Laken?

Auch die Weisheit, daß es weit gebracht hat, wer sich schon zu sternfunkelnder Zeit aus seinem Nachtlager schält, ist in der Realität nicht angekommen. So sind weder der Arbeiter, noch der Bäcker, noch der Zeitungsausträger reiche Leute. Diejenigen, denen die Fabrik, die Bäckereienkette und das Verlagshaus gehören, die sind reich und horchen noch an ihren edlen Seidenbettlaken. Von frühmorgens bis spätabends schuften, nur um später einmal von einer kargen Rente zu leben, ist das sinnvoll? Karg leben, aber immerhin lange ausschlafen, das könnte man doch auch schon jetzt. 
Ein Künstlerleben führen, nach der inneren Uhr aufzustehen und die Nacht zum Nachtleben machen.

Wenn der Körper signalisiert: Ich brauche Schlaf, dann sollte man doch auf seinen Körper hören.

In Zeiten, in denen schon darüber nachgedacht wird, die Schulen erst später beginnen zu lassen, kann man geradezu als Vordenker gelten, wenn man sich des Morgens noch ein paar Mützen voller Schlummer gönnt. Während die Welt sich auch weiterdreht, egal, ob da ein kleiner Sandstrand unter dem Weltengetriebe entstünde. Wer döst nicht gerne am Strand, wo alle Uhren stillstehen, wo man nichts braucht außer der eigenen Ruhe im Kopf, da muß kein Handy hergestellt werden, kein DVD-Recorder und auch kein Flachbildfernseher, also können auch eine Menge Leute ausschlafen, weil keiner dieses sinnlose Zeug herstellen muß. Und weil auch keiner früh aufsteht, muß auch nicht zu nachtschlafender Zeit Brot gebacken oder gar Zeitungen gedruckt werden. 
Man liegt in seiner kleinen, sozialen Hängematte und träumt von einem besseren Leben, das man dann eigentlich schon hat.

Wenn Gott nicht gewollt hätte, daß wir schlafen, er hätte die Nacht nicht dunkel gemacht.

Schade, daß das nur funktioniert, wenn sich andere abplagen, morgens mit dem ersten Hahnenschrei aus den Gänsefedern springen und hurtig zur Arbeit hetzen. Denn wenn sich jeder viel Ruhe gönnt, herrscht zwar viel Ruhe. Aber der Mensch muß auch essen. Und wohnen. Und sich anziehen, damit er es warm hat und gegen Regen und Kälte und Schnee gewappnet ist. Und natürlich müssen auch all die Betten und Laken und Kopfkissen erst einmal hergestellt und transportiert und verkauft werden. Wenn das nur ausgeschlafene Menschen machen würden, gäbe es viel von dem, was das Leben angenehm und leichter macht, nicht. 
Und man müßte um seine Existenz bangen.

Und das ist keine gute Voraussetzung für ruhigen Schlaf.

Denn ein sicherer Arbeitsplatz, ein schönes Zuhause und ein soziales Umfeld sollte man schon sein eigen nennen. Da wollen Kinder gefüttert werden, da wollen Hypotheken bezahlt und da fordert auch ein Chef Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit unbarmherzig ein.
Ansonsten könnte es schnell mit dem sicheren Arbeitsplatz, dem schönen Zuhause und auch mit dem gewohnten Umfeld sein Ende haben.

Außerdem kann man ja auch im Büro ein wenig Schlaf nachholen. 
Dann fühlt man sich gleich wie zu Hause. 

Und ein schöneres Umfeld als das Reich der Träume gibt es nicht. 
Zurück zu Home