Nachdenken ist Arbeit, die man erst sieht, wenn sie getan ist. Der Nachdenkliche sieht von außen wie ein Faulenzer aus, während der Macher zwar viel Mist produziert, dies aber immerhin schnell und wahrnehmbar. Denn wer nachgedacht hat, hat einen Plan und fängt nicht einfach etwas an, um mittendrin festzustellen, an welche Widrigkeiten er besser vorher gedacht hätte. Obwohl es "Nach"-Denken heißt, geschieht es am besten vorher. Wer nach dem Scheitern nachdenkt, kann dies allenfalls für künftige Fälle nutzen, das Kind ist dann aber schon in den Brunnen gefallen.
Fehler, die man hätte vermeiden können, wieder auszubügeln, können so einigen Aufwand erfordern. 

Zwar mag man aus Fehlern klug werden, klüger wäre es aber gewesen, gewisse Mißgeschicke erst gar nicht zu machen. 

Ob beim U-Bahn-Bau in Köln oder den verunreinigten Wattestäbchen der Kriminaltechnik, mit ein wenig mehr vorheriger Überlegung hätte man nicht nur Geld retten können, sondern auch Menschenleben.
Allerdings kann man auch zuviel nachdenken.

Wer zum Grübeln neigt, hat nicht unbedingt mehr vom Leben.

Auch die Intuition will trainiert werden. Das Handeln in Gefahrensituationen verlangt schnelles Reagieren, längeres Nachdenken kann da den Kopf kosten, den man sich gerade zerbricht. Auch kann man durch zu intensives Nachdenken den Blick für das Große, Ganze und sich in Details verlieren. Man kommt dann zu Ergebnissen, die viele Einzelheiten berücksichtigen, aber in der Gesamtheit zu absurden Ergebnissen führen.
Anders sind etwa manche Verwaltungsvorschriften nicht zu erklären. 

Gutes Beispiel hierfür ist das deutsche Steuerrecht.

Dennoch ist der Denker demjenigen, der einfach schon mal anfängt, es wird ja schon gutgehen, meist überlegen. Denn überlegen bringt Struktur in den Ablauf, sieht Probleme voraus und hilft, gefährliche Klippen zu umschiffen. Wer nicht Schiffbruch erleiden will, der schaue sich zumindest vorher die Seekarten der Titanic an, so manche Untiefe ist mit ein wenig Planung leicht erkennbar. Und auch unter der Oberfläche lauert da, was nicht die Spitze des Eisbergs ist.
Spitzenleistungen erreicht man in aller Regel nicht mit vorschnellem Vorpreschen.

Überlegen ist aber nicht jedermanns Sache.

Tatsächlich sind die Nachdenker in der Minderzahl. Und das gilt nicht nur für den Privatmann. Auch die öffentliche Hand spuckt oft in dieselbe, ohne viel nachgedacht zu haben. Zwar hat man geplant und Verfahrensvorschriften eingehalten. Das alleine ist aber noch kein Beweis dafür, daß man sich wirklich Gedanken gemacht hat. So kommt es immer wieder zu Fehlplanungen, die den Steuerzahler unnötig Geld kosten und zusätzlich eine saftige Abfindung, wenn der verantwortliche Amtsträger deswegen in seinen unverdienten Ruhestand versetzt wird.
Ein wirklicher Anreiz zum Nachdenken ist das möglicherweise nicht.

Wofür läßt man Politiker für sich denken, wenn diese dann das Denken lassen.

Denkbar wäre aber auch, daß sich so mancher Würdenträger denkt: Egal, mir bauen sie ohnehin kein Denkmal. 
Der Verdacht besteht zumindest.

Wenn er sich da mal nur nicht verdacht hat. 
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