Da schon aus den Grundfesten unserer Verfassung eine Zensur nicht stattfindet, ist die augenblickliche Debatte um die Sperrung bestimmter Internetseiten umso fruchtbarer (böse Zungen behaupten: Umso furchtbarer). Da man die Verbreitung kinderpornographischer Schriften unterbinden will, sollen entsprechende Seiten in Deutschland gesperrt werden.
Die Befürworter von Kinderpornographie schweigen hierzu, kein Wunder, sollte doch kein vernunftbegabter Mensch ernstlich für die Verbreitung derlei Unsagbarkeiten eintreten.

Das steht außer Frage und ist auch nicht Angriffspunkt der Kritiker. 

Vielmehr sieht man die Haltung mit einem gewissen Argwohn, man könnte dann doch gleich auch noch unliebsame, rechtsradikale Seiten abschalten, Anleitungen zum Bombenbau und zur Rekrutierung von Terroristen. Und wenn man nun mal schon dabei ist, kann man auch radikale Ansichten religiöser Extremisten und Gegner des Staates vom Netz trennen.
Nur, wo soll das enden?

Ist es dann noch weit zur Internetkultur a la China, wo dem Volk schadet, was der Regierung schadet und wo man abweichende Ansichten als die Ordnung gefährdend ansieht?

Technisch ist eine solche Blockierung von Webseiten kein Problem, wie das Beispiel verschiedener Nachbarländer zeigt, in denen diese Art der Reinhaltung des Netzes längst praktiziert wird. Aber wie weit kann man gehen, ist die lobenswerte Bekämpfung des Kindsmißbrauchs auch in Bild und Ton nur ein Vorwand oder zumindest der erste Schritt in Richtung Aushöhlung des Zensurverbotes?
Vor allem: Ist ein Abschalten derartiger Seiten zielführend?

Solche Seiten sind ohnehin verboten, weil sie ohne Weiteres zum Verbreiten kinderpornographischer Abbildungen beitragen.
Sie zu beschneiden, ist also keine Zensur, weil die Durchsetzung von Strafrecht niemals Zensur ist. Vielmehr liefe das Strafrecht leer, wenn man es nicht auch durchsetzt. Wie Beleidigungen, Verleumdungen, üble Nachrede und auch die Verbreitung nationalsozialistischer Symbole ist eben auch die Verbreitung von Bildmaterial, das den Mißbrauch von Kindern zeigt, verboten und zu unterbinden.

Und so bedienen sich die Betreiber derartigen Unrats unauffälliger Namen, um ihre Klientel zu bedienen. Allerdings schränkt dies sicher auch die Verfügbarkeit ein, der Markt wird beschnitten und so auch einige Kinder vor sexuellem Mißbrauch geschützt. 
Denn wo die Nachfragemöglichkeiten erschwert werden, sinkt auch das Angebot.

Zwiespältig, welcher Meinung man sich anschließen soll. Zum einen gehört der Sumpf an Pädophilie ausgetrocknet, andererseits besteht die Gefahr, daß man das Kind auch mit dem Sumpf ausschütten könnte. Was kann man sonst tun? 
Weitreichende Bekämpfung der Armut in der Zweidrittelwelt, die zum Teil auch Hand in Hand geht mit gewaltsamer Kinderprostitution würde sicher helfen, ist aber angesichts der Finanzkrise utopischer denn je. So bleiben nur Maßnahmen im eigenen Land, die man realistisch ins Auge fassen kann. Aber auch polizeiliche Maßnahmen sind ein Tropfen auf die heiße Stirn; man kann seitens der Strafverfolgungsbehörden gar nicht genug aufrüsten gegen Netzkriminalität, wobei der Etat und auch die technischen Voraussetzungen oft enge Grenzen setzen. 
Und man sollte auch nicht über das Ziel hinausschießen. 

Gleichzeitig gilt es, sich gegen Anfänge zu wehren, die eine Einschränkung der Meinungsfreiheit zur Folge haben könnten. 

Wir leben nicht in einer perfekten Welt. Damit müssen wir uns abfinden. 
Nichtstun also als Lösung? Meine Prognose ist trotzdem: Man versucht, seitens der Politik tätig zu werden, scheitert aber an Sachzwängen.
Und bald wird die Diskussion von einer anderen verdrängt werden. 
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