Je nach Blickwinkel sind die subjektiven Standpunkte zu diesem Reizthema unterschiedlich: Ob man nach langer Krankheit und Leiden einen Verwandten buchstäblich bis zum Tode begleitet hat oder selbst an einer Krankheit leidet, aber Verwandte nur aus der Entfernung zu sehen bekommt, wenn es um finanzielle Aspekte des Ablebens geht, wird man mal für die Verkürzung von immensem Leiden, mal dafür sein, den Anfängen zu wehren.
Zudem ist die Sterbehilfe durch die sogenannte "Euthanasie" durch die Nationalsozialisten thematisch belastet.

Aus der Verkürzung von Leiden könnte da allzu schnell ein Vorwand werden, sich von der Humanität heimlich, still und rüde zu verabschieden.
Menschen sollten niemals Kostenfaktoren sein.

Denn es geht um eine Grenze, die weder erforschbar, noch erklärbar ist. Außer dem nackten Leben hat man nichts. Alles, was man nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch besitzt, ist unerheblich gegenüber dem Geschenk des Lebens. Auch die sogenannten "Nahtod-Erfahrungen" sind kein Beweis, allenfalls ein Anhaltspunkt dafür, wie es nach dem Tode weitergehen könnte. Zudem sind aus dem Nahtod zurückgekehrte Menschen eben letztlich nicht gestorben; ein Nachweis dafür, wie es jenen ergeht, die gerade nicht zurückkommen ins Leben, ist das also genau betrachtet nicht.
Das Leben ist kostbar.

Und das auch dann, wenn es einem nicht gut geht.

Leben allein über positive Umstände zu definieren, ist allzu hedonistisch. Man wird kaum den Standpunkt einnehmen können, daß nur die guten Stunden zählen, im übrigen sei das Leben nichts wert. Zum einen gäbe es ohne Täler keine Höhen, zum anderen müßten sich bei einer solchen Betrachtungsweise die meisten Menschen angesichts ihrer Lebensumstände schlicht umbringen.
Denn die wirklich guten Momente sind dünn gesät, umgeben von einem Meer an Kummer, Sorgen, Krankheit, Ärger, Streß und Mühe.

Aber allein die Hoffnung auf einen Lichtblick rechtfertigt es doch, weiter zu machen.

Wobei die Frage vieler Menschen ist, wie vage oder berechtigt die Hoffnung auf Besserung sein muß, um zu einem Weitermachen zu motivieren. Wenn man die Sache so betrachtet, bleiben allerdings immer noch genügend Mitmenschen übrig, die keinen Grund mehr haben, weiter unter uns zu leben. Ob man nun in Elendsquartieren lebt, mit einer unheilbaren Krankheit oder mit einer körperlichen Entstellung gschlagen ist, kann doch keinen Unterschied machen, ob man sich mangels zu vermutender Besserung besser umbrächte. Wie ist das zu sehen, wenn man nur noch an Apparate angeschlossen ist und allein die Hoffnung auf ein Wunder, aber keine medizinische Möglichkeit mehr besteht, sich aus einem solchen Zustand zu lösen?
Dann stößt man an seine Grenzen.

Und noch mehr an die seiner Mitmenschen.

Denn kann man schon allein ein Recht auf Selbstmord in Frage stellen, so sollte man umso mehr ein Recht seiner Zeitgenossen in Frage stellen, einem dabei zu helfen. Sie stellen ein Recht auf Selbstmord nicht in Frage? Ist dann jemand, der den Selbstmord eines anderen verhindern will, etwa im Unrecht? Denn wer gegen die Bemühungen eines anderen angeht, sich selbst zu töten, vereitelt letztlich das Recht desjenigen, sich umzubringen. 
Es kann doch aber kein Unrecht sein, Selbstmorde zu vereiteln. 

Wie also kann es da richtig sein, einem anderen bei dessen Selbstmord behilflich zu sein? 

Kein Mensch weiß letztlich, warum er lebt. Auch weiß kein Mensch, warum man sterben muß. Selbstverständlich darf man auch nicht über diejenigen urteilen, die des Lebens überdrüssig sind. 
Aber darauf hinwirken, daß sie es nicht mehr sind, sollte nicht nur erlaubt, sondern geradezu eine Pflicht eines jeden sein. 
Wir wissen nicht, was kommen wird. 

Genau genommen wissen wir nicht einmal, was ist.

Aber daraus ein Recht abzuleiten, sich aus dem Dasein gewaltsam zu verabschieden, wäre fatal. Denn wenn alles einen Sinn haben soll, dann sollte der darin stecken, was wir in uns als unsere unsterbliche Seele mitnehmen (wenn man an eine solche glaubt, wenn nicht, ist es noch unlogischer, seine Existenz noch zu verkürzen). Und sie während unseres Lebens zu entwickeln, heranreifen und wachsen zu lassen.
Mehr können wir nicht tun. Auch für andere nicht.

Auch nicht im Wege der Sterbehilfe.

Wie das aussieht, wenn man von einem Menschen, den man wirklich liebt, eindringlich in einer Extremsituation darum gebeten wird, muß jeder für sich beantworten. Diese Frage aber allgemeingültig jenseits einer solchen Ausnahmesituation uneingeschränkt mit "Ja" zu beantworten, zeigt keine allzu große Liebe zum Leben an sich.
Tief in uns wissen wir, daß das Leben das Kostbarste ist, was wir haben.

Oder fällt irgendjemandem etwas ein, was davon noch zu toppen wäre? 
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