Das Interesse der Menschen an sexuellen Dingen ist groß, und das Interesse an bildlichen Darstellungen körperlicher Erotik nicht minder. So ist es nicht verwunderlich, daß neueren Untersuchungen zufolge vier Fünftel der Bevölkerung pornographisches Material zu Hause hat. Also nur jeder fünfte nicht, und das durch alle Gesellschaftsschichten.
Merkwürdig, daß dann die gesellschaftliche Akzeptanz von Pornographie zumindest offiziell nicht groß ist.

Und diese Art direkter und unmittelbarer Darstellungen nackter Tatsachen unter der Decke gehalten wird.

Initiativen zum Verbot von Pornographie, früher von insbesonders kirchlichen und erzkonservativen Kreisen, in jüngerer Vergangenheit von Vertreterinnen der harten Linie der Emanzipation der Frauen (Die "PorNO"-Kampagne) sind da zum Scheitern verurteilt. Obwohl durchaus gewichtige Gründe gerade gegen die harten Pornos sprechen: Die völlige Verdinglichung der Sexualität läßt den Geschlechtsakt zum reinen Akt äußerer Körperlichkeit verkommen, die Seele bleibt bei dieser Betrachtung außen vor, verkümmert zu einem nicht notwendigen Teil der körperlichen Liebe. Auch bewirkt die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Pornographie, daß gerade pubertierende Jugendliche daraus ihre Sexualerziehung entnehmen. 
Wodurch sie außer Sex die Spielarten der Liebe, allen voran die Zärtlichkeit, das Flirten oder auch die Koketterie gar nicht erst kennen lernen.

Sozialarbeiter bemängeln schon, daß sich der Nachwuchs des Prekariats nicht mehr küßt, weil das auch in Pornos nicht zu sehen sei.

Auch alle anderen Abartigkeiten, durch die die Pornoindustrie bei ihren Kunden zu punkten sucht, dringt so in die Gefühlswelt der Heranreifenden ein. So ist Gruppensex - auf neudeutsch "Gang Bang" - fast schon ein Normalzustand. Auch zeigt man, was man hat; und damit auch, was man ist oder zumindest zu sein meint. Es wird von Sozialpädagogen berichtet, daß man auch sehr junge Pärchen auch nicht nur kurz in einem Raum allein lassen darf, egal, wo. Die jungen Leute wissen zu zweit kaum mehr miteinander anzufangen als das, was sie so oft in eigentlich nicht jugendfreien Filmchen gesehen haben.
Klar, daß da die innere Empfindsamkeit leidet.

Sex verkommt zur Freizeitbeschäftigung, oft mangels sonstiger Alternativen.

Dennoch wäre ein völliges Verbot der Pornographie - wie schon bei Alkohol oder auch Prostitution - wenig zielführend. Es würde aber vermutlich schon viel helfen, würde man den Jugendschutz ernster nehmen. Wenn man nicht schon nachmittags in Boulevardmagazinen blanke Brüste, die es immer plastisch zu vergrößern gilt, zu sehen bekäme.  Oder, wenn nicht auf den Titelseiten vieler Hochglanzmagazinen nacktes Fleisch offen einsehbar am Kiosk zu sehen wäre. 
Wenn die Liberalisierung der Sitten nicht mit dem Ziel völliger Zügellosigkeit betrieben würde. 

Die Sexualisierung der Gesellschaft schreitet voran.

Romantik und langsame Annäherung sind nicht mehr gefragt. Gefragt - wie in anderen Bereichen auch - ist die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung. Man muß zwar nicht in Prüderie erstarren. Auch darf man Sexualität nicht verteufeln, wie es frühere Generationen getan haben. Aber Geschlechtlichkeit als Selbstzweck geradezu vorzuschreiben, erzeugt bei den Menschen einen Erwartungsdruck, den die Realität in aller Regel nicht befriedigen kann.
Das kann nur die künstliche und gekünstelte Welt der Pornographie.

Schon gibt es auch immer mehr Sex-Süchtige, für die Pornographie die tägliche Dosis Stoff ist, den sie sich im Internet injizieren. Von den beschriebenen, jugendlichen Sex-Krüppeln gar nicht erst zu reden. 
Warum es die moderne Gesellschaft zuläßt, sich selbst irreparabel zu schaden, bleibt schleierhaft.

Vermutlich ist das der gleiche, selbstzerstörerische Mechanismus, der Menschen rauchen und über Gebühr Alkohol trinken läßt, der sie schädliche Chemie konsumieren und in schnellen Autos an Alleebäumen enden läßt.
Man will sich entspannen.

Und landet in einer Anspannung, ja Überspannung des Bogens, der als Pfeil auf einen zurückkommt. 
Zurück zu Home