Wenn die Nase läuft, aber ansonsten alles nicht rund läuft, wenn der Hals brennt, aber man ansonsten ausgebrannt ist, wenn man heiß ist, aber nur auf sein Bett (und das allein), dann nennt sich so mancher krank. Ein Zustand, der nicht erstrebenswert erscheint. 
Und schleunigst hinter sich gebracht werden sollte.

Wobei es durchaus auch Menschen gibt, die von solch einer Krankheit träumen. Von einer Krankheit, die schnell vorbeigeht, weil der Körper, gerne auch mithilfe von ein paar Medikamenten oder auch Hausmittelchen mit ihnen fertig wird, den bösen Viren oder den garstigen Bazillen. Chronisch Kranke, die mit einer schweren Krankheit leben, deren ganzes Dasein sich um ihr Leiden dreht. Die lernen müssen, sich damit zu arrangieren. Deren Alltag geprägt ist von einem Syndrom mit den unterschiedlichsten Symptomen und Ausprägungen.
Man glaubt gar nicht, wieviele Krankheiten es gibt, von denen man noch nie etwas gehört hat.

Gott sei Dank, denn man will ja schließlich nicht nur in Angst vor exotischen Krankheiten sein Dasein fristen. 

Es genügen doch schon die kleinen Zipperlein, die einen plagen, die Erkältungen, die Rücken- oder Kopfschmerzen, oder auch Verletzungen oder Entzündungen, die jeder von uns irgendwann einmal hat.
Es kann gar nicht schnell genug gehen, daß man diese Plagegeister wieder los wird.

Warum eigentlich?

Warum glaubt man, daß die Zeit, die man mit Fieber im Bett liegt und angeblich dasselbe hütet (wie will man sich als Hirte betätigen, so man doch mit sich selbst genügend beschäftigt ist?), verlorene Zeit ist?  
Will man nicht wahrhaben, daß man auch während der Krankheit lebt und dies auch ein Teil des Lebens ist?
Oder bricht sich das mit dem Selbstbild, das man von sich hat, und das keine Schwäche zuläßt?

Zum einen ist man unverhofft einfach aus seinem gewöhnlichen Alltag katapultiert. All die Termine, um die man sich eigentlich nicht drücken kann und darf, sie alle muß man absagen. Die Kinder werden vom Nachbarn zum Sport gefahren (oder, man glaube es kaum: Fahren selbständig mit dem Bus oder dem Fahrrad), der Stammtisch findet auch ohne einen statt und das wichtige Treffen mit dem wichtigen Kunden läßt sich verschieben, wenn es nicht sogar ein anderer übernehmen kann. Und was passiert? Bleibt die Welt stehen? Knirscht sie wenigstens, während sie sich nur zögerlich weiterdreht? 
Beileibe nicht, sie rotiert, daß es eine wahre Freude ist.

Es geht auch ohne dich. Unglaublich, aber wahr.

Und du mußt nicht, was du im Augenblick nicht kannst. Und kannst ein wenig innehalten. Hast ein wenig Zeit nachzudenken. Hast sogar viel Zeit nachzudenken. Ist das nicht auch eine Chance? Auf neue Gedanken zu kommen, vielleicht auch einmal zu bilanzieren: Was möchte ich eigentlich? Während der Woche, wo ein Ereignis das nächste jagt, wo du nicht umhin kannst, dein Zeitgerüst engmaschig zwischen Essen und Schlafen zu konstruieren, da vergeht die Zeit wie im Flug. Jetzt aber steht die Zeit still. 
Du liegst im Bett und bist mit nichts als dir selbst beschäftigt.

Und was stellst du fest?

Langweiligt dich das, sich nur mit dir selbst zu beschäftigen? Ist da nicht viel, was du an dir entdecken kannst? Sollte dich das nicht beunruhigen? Verdeckt deine Aktivität als Gesunder nicht nur, daß es da nicht viel gibt?
Oder gibt es da doch eine Menge? Viele Träume, viele Ziele, viele Dinge die dir wichtig wären. Und, arbeitest du darauf hin? Oder verlierst du dich in Geld verdienen und Auto abzahlen und Fernsehen gucken? Was ist aus dem Traum deines Lebens geworden? Ist er schon ausgeträumt?
Oder kannst du ihn noch verwirklichen?

Wenn du deine Richtung ein wenig änderst, Ballast abwirfst, vielleicht auch einmal etwas beendest, was nur noch so vor sich hin läuft. Was ich schon immer alles machen wollte, aber bislang kein Zeit dazu hatte. Warum eigentlich?
Jetzt hast du Zeit, dir darüber einmal Gedanken zu machen. 

Und wenn nicht: Dann kannst du jetzt wenigstens einmal so richtig Kraft tanken.
Denn wenn du gesund bist, dann wartet ein Haufen Arbeit auf dich.

Freust du dich darauf? 
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