Besserwisser sind nicht beliebt, ob sie nun besseres Wissen haben oder wider oder auch nur ohne besseres Wissen verbessern. Wer sich dazu berufen sieht, andere zu belehren, ohne dazu berufen zu sein von Berufs wegen, der macht sich im allgemeinen nicht beliebt. Wenn er nicht gerade Lehrer ist oder Ausbilder, nimmt man nicht von jedem ohne weiteres jede Korrektur dankbar an. Nun ist Beliebtheit eine Eigenschaft, die überschätzt ist. Allerdings ist Unbeliebtheit auch keine erstrebenswerte Eigenschaft, denn wer alle gegen sich hat, hat es nicht leicht im Leben.

Man muß auch mal etwas unkommentiert lassen.

Allerdings darf man nicht alles unwidersprochen lassen.

Die Zivilcourage, bei so manchem dummen Geschwätz einzuschreiten, sollte man schon haben. So lasse ich es in aller Regel nicht zu, wenn in meiner Gegenwart rassistisch von "Negern" gesprochen wird. Auch würde ich Hetze gegen Juden oder Ausländer nicht unwidersprochen lassen. Die Auschwitzlüge etwa sollte nicht auf taubgestellte Ohren treffen. Aber das ist meiner Ansicht nach keine Frage der Besserwisserei, sondern schlicht eine Bürgerpflicht, gegen rassistische oder gar braune Tendenzen anzugehen. 
Hier geht es auch nicht nur um Formverstöße, da geht es schon ins Grundsätzlichere.

Aber wann beginnt Klugscheisserei?

Der Punkt ist: Wenn man sich als I-Tüpfel-Scheisser (man verzeihe mir die allzu häufige Verwendung des Fäkalen) an jedem Komma stört, dann geht es nicht mehr inhaltlich um eine Sache, sondern nur noch um das Rechthaben. Erbsenzähler können nur einen Pyrrhussieg davontragen: Die Schlacht gewinnen, aber den dann kalten Krieg verlieren. 
Dabei gibt es so schöne Dinge, die man verbessern kann, rein, um Stimmung zu machen.

Insbesondere, wenn man Phrasendreschern ein Bein stellen kann.

Beispiel: Der allzu bekannte Spruch, ob das Glas nun halbvoll oder halbleer sei. 
Die beste Antwort: "Weder, noch. Denn das Glas ist ersichtlich ganz voll." 
"Wie das, es ist doch nur zur Hälfte gefüllt?" 
"Ja, zur Hälfte mit Flüssigkeit, zur anderen mit Luft."
 
Daher auch der Spruch: Laß doch mal die Luft aus den Gläsern.

Weiteres Beispiel: Wenn so ein Westentaschenphilosoph den altbekannten Spruch äußert: "Auf seinem Grabstein stand: 'Er hatte Recht'".
Antwort: "Das ist ist immer noch besser, als würde auf seinem Grabstein stehen: 'Er hatte auch noch Unrecht'".

Ja, wenn du halbvoll bist, sollte man dir die Luft rauslassen.

Letztes Beispiel: "Ordnung ist das halbe Leben."
Antwort: "Ja, wenn du mit einem halben Leben zufrieden bist."

In der Psychologie rät man auch, Wichtigtuern mit dem unerwarteten zu begegnen: Den Belehrenden, der sich beifallheischend umschaut, seinerseits zu belehren.
 
Damit kann man freilich anecken. Wobei man altklug nur bei Leuten, die man ohnehin nicht mag, sein sollte. Altklug sind zwar im allgemeinen nur Menschen, die noch zu jung sind, um zu wissen, was sie sagen. 
Aber um nicht zu wissen, was man sagt, sind Leute nach meiner Erfahrung nie zu alt. 

Eines sollte man aber haben, wenn man nun schon verbessert: Recht.
Denn nichts ist peinlicher als ein Klugscheisser, der wo auch noch im Unrecht ist. 

(Verzeihung, aber das muß heißen: "der im Unrecht ist".) 
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